22.9.14

Zu Leonard Cohens 80er



21. September 2014

Laizistisches Gebet
Nimm dir nicht das Leben, nimm dir das Leben!

Sei nicht so gestresst, sei nicht so gehetzt.
Nimm dir Zeit für dich
Achte auf deine Kraft und deine Gesundheit
Nehme die Natur wahr, genieße sie
Freue dich, lache
Nimm dir Zeit
Lasse den Fluss fließen
Setze dich ins Gras, schaue ihm zu
Setze dich in Bewegung
Tue dir gutes

Sei nicht so gehetzt
Du hast nur dieses Leben
Und du wirst ganz sicher am Ziel ankommen
Male dir das Ziel aus
Oder besser – die Ziele
Wenn du vom Weg abkommst, gerate nicht in Panik
Es gibt viele Wege, die es wert sind gegangen zu werden
Sieh nach ob die Richtung stimmt
Gehe der Sonne und deinem Herzen nach
Sei nicht zu streng zu dir selbst
Das Leben ist streng genug
Lächle so oft du lächeln kannst
Lache dem Anderen zu
Lächle dir selbst zu

Nimm dir nicht das Leben, nimm dir das Leben!
Es gibt so viel mehr Arten das Leben zu leben
Als es Arten gibt zu sterben
Wenn du stirbst ist nichts mehr
Nicht einmal alles schwarz
Wenn du lebst: der Himmel, das Glas Wasser
Das Gras; die Sonne, Spatzen, Wolken
Ein Stück Brot, Regen im Gesicht
Der Fluss, der See, das Meer
Der Hügel, der Berg, der Baum, der Wald
Ein Blick, ein Lächeln, vielleicht ein Kuss
Ein Händedruck bestimmt
Ein Gesicht, jemand, der dir zuhört, der dich wahrnimmt
Das Kissen, die Bettdecke, die Katze, der Mond
Lieder, Musik, ein Stern
Es gibt Milliarden Möglichkeiten zu leben
Und nur eine Art tot zu sein

Deshalb: Nimm dir nicht das Leben, nimm dir das Leben
Das du kriegen kannst
Nimm es und schätze es
Und liebe es
Und liebe dich
Und die anderen auch


Zu Leonard Cohens 80er

In irgendeiner Stadt einfach da sein
Unter den Füßen die Welt tragen
Und alle Elemente in sich spüren
Die das Weltall zu bieten hat
Nicht mehr und nicht weniger

Nicht hungrig, nicht satt
Wie ein flackerndes Licht
Zwischen Dämmerung und Nacht
In dieser Stadt, in meiner Stadt
Spüre ich unter dem Beton das Meer
Und in den Straßen verkehren
Autos und Busse und Flugechsen

Ich fühle mich leicht und schwer
So müssen sich fliegende Bäume fühlen
Die ihre Wurzeln in den Mond schlagen wollen

Unter dem Asphalt meiner Traurigkeit
Spüre ich die tiefen Flüsse des Seins
Und in meinem Alleinsein
Branden die erloschenen Völker
An den Vesuv der Liebe und der Dauer

In meine Worte mischt sich der Irrsinn der Zeit
Mit einer Höflichkeit, die ich mir selbst nicht zugetraut hätte
Ich würde mich gerne fallen lassen ins Irgendwohin
Und halte mich eigentlich fest
An den Traumrändern der Hoffnungslosigkeit

Wir alle haben Angst vor dem Ende
Und wenn wir unsere Nächsten
Nicht bewahren können vor dem Verschwinden
Werden unsere Beine schwer wie die Seele
Und wir hängen nur mehr an einem Fingerglied
Über dem Abgrund

He, ich habe losgelassen und
Seltsam – ich fliege
Und lande noch einmal
Mitten in dieser Welt


Wieder und wieder

Ich habe alles verloren
Und bin wieder geboren
Wieder und wieder

Mit jedem Atemholen
Feuer und erloschene Kohlen
Wieder und wieder

Mit jedem Schlafen gehen
Muss ich ein wenig vergehen
Wie gesungene Lieder

Mit jedem Morgengrauen
Muss ich die Welt neu bauen
Mit neuen Liedern

Und habe ich alles gesagt
Bleibt noch immer ein Tag
Neues zu fragen

Bleibt noch immer ein Mundwinkel Zeit
Eine Falte Ewigkeit
Dir was Liebes zu sagen

Ob es reimt oder nicht
Oder schließlich zerbricht
Alles muss mal verwittern

Glück ist wie ein Gedicht
Wie die Liebe, das Licht
Nicht einzugittern

Ich habe alles verloren
Und bin wieder geboren
Wieder und wieder

Mit jedem Atemholen
Feuer und erloschene Kohlen
Wieder und wieder


Kindliches Daseinslied

Was auch geschieht
Was mir auch blüht
Ich bin da

Solange ich treibe
Solange ich schreibe
Ich bin da

Wenn mich wer fragt
Was hast du gesagt
Ich bin da

Wenn einer mich sucht
Oder mich verflucht
Ich bin da

Wenn der Himmel vergeht
Wenn der Wind mich verweht
Ich bin da

Und wenn du mich brauchst
Und nicht untertauchst
Ich bin da

Wenn du mich verlässt
Wie ein Blatt sein Geäst
Ich bin da

Ich bin da und bin fort
Bin an keinem Ort
Ich bin da

Nirgends und überall
Auf jeden Fall
Irgendwo da im All
Bin ich da

Und bin ich einmal nicht mehr da
Bin ich dir trotzdem nah

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