22.3.14

Friedliche Frühlingsbotschaft



Lassen wir das Öl in den Zweigen…

Leidenschaftliches Engagement für Meinungsfreiheit, Menschenrechte und Weltfrieden ist durchaus vereinbar mit klarer, vernünftiger Analyse, unbestechlichen, kritischen Blick hinter die Kulissen der agierenden Kräfte und der dazu veröffentlichten Meinung. Aber zu glauben der eigene Blick sei der einzig richtige und das eigene Urteil das einzig wahre, wäre eine fatale, tendenziell totalitäre Einengung der, für einen produktiven, lösungsorientierten Dialog nötigen Meinungsvielfalt und eine bornierte, gefährliche Anmaßung.

Unaufgeregte, meinetwegen auch aufgeregte, öffentliche Diskussion auf dem Boden toleranten, lebendigen  Demokratieverständnisses, heischt nicht nach besserwisserischen, oft eitlen und einseitigen Erklärungsmonopol, sondern verlangt ehrlich bemühte Suche nach produktiven Verstehen des wesentlichen Fakten- und Realitätsbildenden Movens und Agens aller am Problem beteiligten Kräfte und Dynamiken.

Voraussetzung dafür ist eine grundsätzlich kriegspräventive Haltung der unmittelbar von den Ereignissen Betroffenen der regionalen Konflikte und vor allem auch der im Hintergrund wirkenden, geopolitisch, wirtschaftlichen und strategischen Interessen verpflichteten Großmächte. Ist dies nicht der Fall, wirken, vor allem die verbalradikalen, Konflikt zuspitzenden medialen Politkommentare selbsternannter Meinungs- und Medienspezialisten eher als oberflächliche Brandbeschleuniger, denn als deeskalierender, Verständnis und Erkenntnisfördernder und also für die Konfliktbewältigung nützlicher Beitrag zu einer friedlichen Lösungsfindung.

Nichts und Niemand ist perfekt und das gegenwärtige, angstbesetzte und diversen professionellen Manipulationen ausgesetzte "Meinungstohuwabohu" der globalisierten Mediennetzwerke, diese gigantische Twitter- und Facebookwolke aus nützlicher Information und Desinformation, aber oft auch völlig wirrer Emotionsentladungen aus den tiefsten Seelenschubladen verunsicherter, oft hysterischer Wutbürger-Zivilgesellschaften, wäre durchaus aushaltbar und kaum erwähnenswert, würde das mit realer politischer Wirkmacht ausgestattete, gegenwärtige  politische Personal der nationalen, europäischen und internationalen Machtebenen mit angemessener Bedachtsamkeit, nötigen historischen Wissen (alle erörtern gerade die fatalen, vermeidbaren Auslösungsmechanismen des verheerenden großen Krieges 14-18, während sie uns unmerklich eilig im Treibsand eines neuen heraufziehenden globalen Krieges zu versenken drohen) einigermaßen souverän und mit Weitblick agieren. Das Gegenteil ist leider der Fall.

Große, erfahrene, politische Persönlichkeiten wie etwa Bruno Kreisky, Willy Brandt, Francois Mitterand, Olof Palme … potenzielle Vermittler mit politischen Weitblick und dem nötigen Fingerspitzengefühl für internationales Krisenmanagement ausgestattet, die aus eigener, persönlicher Erfahrung wissen wie fatal und zerstörerisch Kriege sind, fehlen heute bedauerlicher Weise. Andere, noch Lebende, wie Egon Bahr werden kaum gehört. Khol und Gorbatschow, denen das Kunststück der weitgehend friedlichen deutschen Einigung gelang, spielen, vor allem krankheits- und altersbedingt, keine entscheidende Rolle mehr und es ist bezeichnend, dass man nach gerade zu froh sein kann, wenn zu mindestens durchaus umstrittene „elder statesmen“ wie Helmut Schmidt oder Kissinger (einst unrühmliches Mastermind des Pinochet-Putsches in Chile) angesichts der aktuellen, drohenden Kriegsgefahr um die Ukraine und die Krim, zu Besonnenheit und Deeskalation aufrufen. Derzeit unser aller Schicksal und das der Welt in den Händen von Obama, Barroso, Merkel, Hollande, Cameron, Faymann… und Putin zu wissen, kann schon schlaflose Nächte bereiten.

Was tun? Alles ist möglich. Die Kriegsgefahr soll uns freilich nicht lähmen, in unserem täglichen Engagement für Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Demokratie und Frieden für alle, wirklich alle. Gegen Ressentiments, Antisemitismus, Rassismus, Faschismus und Totalitarismus jedweder Art, egal ob in der neuen Ukrainischen Regierung, in Putins Russland oder anderswo, vielleicht sogar in uns selber. Sie soll uns auch nicht konfliktscheu machen oder gar zur Resignation und Depression verleiten. Ganz im Gegenteil. Fantasie und Schöpferfreude, wo immer wir sind, ist angesagt und vor allem Empörung und Widerstand gegen Kriegshetze und kriegerische Eskalationen, egal wo.. Die Alternative zur herrschenden Haltungs- und Gesinnungslosigkeit ist der globale, zivile Aufstand des Lebenswillens und der Vernunft, der weltweite Druck auf die politisch und wirtschaftlichen Verantwortlichen ihre Interessens- und Machtkonflikte um geopolitische und wirtschaftliche Einflusssphären, um Erdöl, Gas und Bodenschätze,  ihren „Fossilienkampf“ ums persönliche Überleben ihrer autoritären Machtgelüste und Strukturen, nicht wie jeher auf dem Rücken der Völker auszutragen, sondern auf deren Willen und Wünsche zu hören und alles zu unternehmen, um kalte und heiße Kriege zu vermeiden oder zu beenden. Alle im Moment auf der Erde geführten Kriege (Syrien, Lybien, Afghanistan, Irak etc. und alle  larvierten Stellvertreterkriege in Asien, Afrika und Lateinamerika.)  Auch den permanent herrschenden globalen Wirtschaftskrieg gegen den armen, energie- und rohstoffreichen Süden und den Abwehrkrieg gegen Asylsuchende und die von unseren Wirtschaften verarmten Menschen, sowie den Krieg gegen unsere Grund- und Bürgerrechte (NSA, etc.). Aber vor allem die wahnsinnige Illusion ist ein für alle mal aufzugeben, dass globale Kriege bei den vielseitig vorhandenen, atomaren Zerstörungskräften, von irgend jemanden zu gewinnen wären.

Die Welt steht vor notwendigen, tiefgehenden Veränderungen, Reformen und Revolutionen. An uns allen liegt es diese so „samten“ und friedlich als möglich zu gestalten und die Autokraten und Oligarchen ins „Streichelzoomuseum der ausgestorbenen Herrschaftsarten“ zu verbannen, sanft und friedlich, versteht sich.

Was auch immer geschehen mag, wie groß und scheinbar unlösbar die zukünftigen Konflikte um die anstehende Schaffung einer neuen, lebbaren, sozial gerechten, demokratischen, nachhaltigen ökologischen und friedlichen Wirtschafts- Gesellschafts- und Weltordnung auch sein mögen: Ersetzen wir Krieg durch Frieden, Erdöl durch Sonne und lassen wir das  andere, genießbare Öl in den Zweigen friedlicher Olivenhaine, oder verwenden wir es in der Küche, gießen wir es nicht ins Feuer.

21.3.14

Krimkrise, Syrien, Hypo…




Krimkrise, Syrien, Hypo…
Politik psychotherapeutisch betrachtet

Politik – Beine am Boden, Kopf in den Sternen
Meinung, Haltung entwickeln und beständig falsifizieren
Ernsthaft, kritisch, offen voneinander lernen
Aufeinander zugehen, nicht gegeneinander marschieren

Den Stein der Weisen gemeinsam ersinnen
Trotz Disput und Wettstreit konsensbereit bleiben
Den Frieden immer aufs Neue beginnen
Einladungen, nicht Ultimaten schreiben

Menschlichkeit, Herz, Verstand nicht mit juristischen Floskeln annullieren
Demokratie nicht als Tarnung von Wirtschaftsdiktatur verwenden
Kriege vermeiden, weil sonst alle verlieren
Kooperation endlich beginnen, Konfrontationen beenden

Wenn alle von Krieg reden, nicht mitbellen, nachdenken
Die Probleme der Menschheit sind nur lösbar gemeinsam
Wenn alle vor Hass glühen, Kontakt und Liebe schenken
DiktatorenInnen und FührerInnen sterben meist einsam

Manipulationskanäle abschalten, Eskalationen vermeiden
Aus „Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen“
Nicht auf die Opfer unseres Wohlstands vergessen
Für Dialog, Kompromiss, Linderung der Leiden
Herz- und Bauchfrequenz einschalten, sich für das Leben entscheiden

Umschalten, umdenken, nicht gewissenlos funktionieren
NEIN sagen und JA, aufstehen für das Leben, nicht für den Krieg
Wir haben nur eine Welt und es gibt keinen Sieg
Wenn wir ihn nicht alle gemeinsam erringen
Für die Freiheit für alle, nur der kann gelingen

15.3.14

Dank an mein Herz



Dank an mein Herz
Kleines Einschlaflied für große Kinder

Danke, mein Herz
Dass du mir schlägst
Dass du mich trägst
Durch meine Zeit

Trage mich weit
Durch dick und dünn
Durch Freud und Leid
Zum Ende-Beginn

Jetzt, liebes Herz
Ruhe dich aus
Fühle dich in mir zu Haus

Danke, mein Herz
Für jeden Schlag
Für alle Liebe
Für jeden Tag

Kleine Fabrik
In meiner Brust
Fast unhörbar
Und wunderbar

Treibe mein Leben
Und meine Lust
Dorthin wo ich
Noch niemals war

Jetzt, liebes Herz
Ruhe dich aus
Fühle Dich in mir zu Haus

Danke, mein Herz
Bist mir das Meer
Ebbe und Flut
Wogst hin und her

Nimmst so viel auf
Glück und Verlust
Traurigkeit, Freude
Bewusst, unbewusst

Bist ganz allein
Tropfen im All
Werd` nicht zu Stein
Bleib hüpfender Ball

Jetzt, liebes Herz
Ruhe dich aus
Fühle dich in mir zu Haus


Faulenzen
(im Lenz in der Au lenzen)

Einfach sein dürfen was ich gerade bin
Und fühlen was ich gerade fühle
Wolke aus Wut und Trauer, Sinn
Und Sinnlosigkeit, Wärme und Kühle

Ausregnen alle Tränen, sie auslächeln
Faulenzen in einem Zeitloch auf der Wiese
Mitten am Tag in Sternendeckenparadiese
Gekuschelt, Leben leben, statt ihm nachzuhecheln

Perle sein aus Liebe, Schmerz und Lust
Zählen die Regentropfen an den Fensterscheiben
Geschlossenen Auges saugen an der Brust
Voll leer und unbewusst bewusst und offen bleiben

Trotz Alter, Angst, Zweifel und Endlichkeit
Das Kind in mir tröstlich auf Knien wiegen
Faulenzen selbst, trotz Hektik, Gier und Kriegen
Mir eine Hängematte knüpfen aus Gemeinsamkeit

14.3.14

selfie im Frühling



13. März 2014
  
Die Knospen knospen und die Vögel zwitschern
Die Primeln gelben in den Wiesen grau
Die Wolken wolken, Dinge dingen
Und überall am Himmel blaut das Blau

Ich denke dieser Frühling wird gelingen
Und weiß es doch im Grunde nicht genau
Die Herzen schlagen, manche ganz daneben
Die Menschen sind von „handys“ absorbiert
In voll gestopften Städten ist das Leben
Alltagskorrupt im Kreis kanalisiert
Und in den Häusern sitzen „Alte“ – isoliert
So ist es eben

In Gratiszeitungen treibt Sumpf die Blüten
Im Hamsterrad sind alle gut vernetzt
Zukunftslosigkeit naschen aus Werbewundertüten
Der Mensch hat sich von selber außer Kraft gesetzt

Wir leben fast nur mehr in Illusionen
In Seifenblasen: Fortschritt, Demokratie...
Bald ist die Erde nicht mehr zu bewohnen
Und um Atomkraftwerkruinen kreisen Drohnen
Apokalyptisch ihre Visionen
Weltweit in Internet und Televisionen
Doch niemand ist mehr da, kein Mensch sieht sie
Und in den Bankenbunkern faulen Billionen

Die Knospen knospen und die Vögel zwitschern
Die Primeln gelben in den Wiesen grau
Die Wolken wolken, Dinge dingen
Und überall am Himmel blaut das Blau

9.3.14

Noch



8. März 2014

Das Wehen von allem

Der Geschmack der Freiheit
Innehalten, innig sein
Seine Sinne wahrnehmen
Wahr sein ohne Schein
Nur Sonnenschein
Entwirrung von
Den Verirrungen
Aufrecht stehen
Langsam gehen
Entwirrung. Aller
Zwänge entledigt sein
Ledig sein, nicht einsam
Zweisam, gemeinsam und
Doch leichtsinnig
Tiefsinnig innig sein
Verbunden mit, doch nicht
Abhängig von allem
Weil entwirrt, entstrickt
Das Joch der unfreiwilligen
Abhängigen Existenz
Abgestreift, abgeworfen
Zurückgelassen im
Frühlingsgras
Liebend, leibend
Beseelt
Wieder
Im Frühlingswind
Das Wehen von
Allem fühlen
Und das Wachsen
In Dir

Leben und schweben

Ich lebe in den
Zweigen der Bäume
Im Zwitschern der Vögel
Im Flirren des Lichts
Ich schwebe
In den Fäden der Wolken
Im Luftzug des Windes
Den Gezeiten
Meines Herzens
Den Zeilen
Dieses Gedichts
Ausgeschirrt
Aus dem Alltagsjoch
Lebe und schwebe
Ich noch

1.3.14

small big words



Nothing remains
All disappears
Event the fears
And the pains

Everything goes
Down to the sea
Desert will be
Where the wind blows

Love is illusion
Life as well
But its not a solution
To go to hell

Just let it be
Let the sun rise
Its paradise
Our destiny

Just let it be
The river must go
Mighty and slow
Till infinity

Just let you flow
Just let you free
Just let it be
Just let you grow

Everything remains
Nothing disappears
In our hearts and our brains
Even the tears
And the rains

14.2.14

Bekenntnis


Peter Rabl schreibt in seinem Blog http://derrabl.at/, dass sein Vater als Polizist und Bezirkskommandant der Sturmscharen 1934 in der Brucker Gendarmeriekaserne, vielleicht den Schutzbündler Sepp Linhart erschossen hat und hält in seinem bewegten Beitrag ein Plädoyer für die Versöhnung.

Mein Großvater war Arbeiter und Schutzbündler in Simmering, hat ebenfalls 1934 gekämpft und aktiv Widerstand gegen die austrofaschistische Diktatur und später gegen den Nationalsozialismus geleistet. Er starb 1968, wie ich meine, unversöhnt, denn während die Mehrheit der aktiven Nazis, kaum belangt, wieder in diverse Führungspositionen des Staates, der Wirtschaft und der Politik Einzug hielten, wurden ihre Opfer, vor allem die, die aktiv Widerstand geleistet hatten, im besten Falle aus der Geschichte ausgeblendet, oder, im Falle der slowenischsprachigen Kärntner Partisanen, diffamiert und bedroht. Deserteure galten lange als Verräter.

Ja, ich bin auch für Versöhnung. Niemand aus unserer Generation, der von Kriegen und Verfolgung nur vom Hörensagen oder durch sein Engagement für Asylsuchende weiß, der Menschen wie Mandela verehrt und würdigt, gesellschaftliche Zusammenhänge durchschaut und politisch (ich meine nicht parteipolitisch) und weltoffen denkt, sollte sich der Möglichkeit Versöhnung zu fühlen und zu leben, oder zumindest anzustreben, grundsätzlich verschließen.

Ja, ich bin auch für Gewaltlosigkeit als Zielvorstellung eines langen Menschheitsweges, nach einer, für uns alle überschaubaren, Menschheitsgeschichte, die von brutalster Gewalt geprägt war und ist und die aus einer Gegenwart, die für so viele Menschen dieser Erde das Leben in irdischer Hölle bedeutet, besteht.

Ja, ich bin für Versöhnung und Gewaltlosigkeit und ehrlichen, authentischen Dialog auch zwischen gegnerischen und unterschiedlichen Meinungen, Positionen, Interessensgruppen.

Die Kunst den Interessensausgleich zwischen Menschen versöhnlich, gewaltlos, dialogisch zu führen, praktikable und für alle Beteiligte menschliche und akzeptable Lösungen zu finden, Kooperation vor Konfrontation zu stellen, also Friede vor Krieg, nennt man Politik, die nicht nur einigen SpezialistInnen vorbehalten sein sollte, sondern die alle angeht und die letztlich  alle zu verantworten haben.

Ja, ich bin für Versöhnung, Gewaltlosigkeit und eine Politik, die in diesem Sinne agiert und das Ziel hat menschenwürdige Verhältnisse für alle Menschen der Erde zu schaffen.

Bloß, diese Politik und vor allem die PolitikerInnen, die in ihrem Sinne agieren, gibt es in Europa und in Österreich kaum, bezw. nicht.(mehr).

Es gibt nur ihre Lippenbekenntnisse für Versöhnung und Gewaltlosigkeit. Und, angesichts der weltweiten Systemkrise, zunehmend eine politische Realität des genauen Gegenteils. Das können auch gemeinsame Kranzniederlegungen, die von der "Hofpresse" ausgiebig beklatscht werden, nicht übertünchen.

Ja, ich bin für Versöhnung und Gewaltlosigkeit, aber auch für die Legitimität des Widerstandes, Frieden, Demokratie, Menschenrechte  und Menschenwürde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen Ausgrenzung, Menschenverachtung, Rassismus, Terror und Gewalt, Unmenschlichkeit, von wem auch immer sie kommen mag, unversöhnlich und nötigenfalls auch mit Gegengewalt zu verteidigen.

13.2.14

Freiheitswärts



13. Februar 2014

Freiheitswärts
(Kinderreime, während meiner morgendlichen Pflegetour geschrieben)

Helle Sonnenstreifen auf dem Gras
Himmel ganz aus wolkenblauem Glas
Farben, die erwachen wie aus Wintergrau
Blühen auch auf dem Gemeindebau
Und ich frage mich wie es wohl damals war
34, nach dem zwölften Februar

Das Entsetzen herrscht noch heute hier
FebruarkämpferInnen ihr lebt noch in mir
Hier in meiner Brust schlägt euer Herz
Großvater, Großmutter, freiheitswärts
Nichts ist je vergangen, nicht das Leid
Noch die ungeheure Ungerechtigkeit

Unsere Welt hat sich nicht sehr geändert
Gleiche Unterdrückung, hübsch bebändert
Neu benannt, etwas komplexer auch
Immer noch das gleiche Feuer und derselbe Rauch
Immer noch der satt gefüllte Bauch
Und die Armen, die weltweit verrecken
Und die Medien, die das verstecken
Die Politiker, die gleichen Marionetten
Die so tun als ob sie Anstand hätten
Religionen, die die Leute beschäftigen
Und beschwichtigen, im Sinne der Mächtigen

Brave Schafe, die nicht ungeschoren bleiben
Die schon lange, selbstverloren, aus Gewohnheit
Sich von selbst zur Schlachtbank treiben

Alles das geht heute Morgen durch den Kopf mir
Zwingt mich das, in kindlicher Reimform, aufzuschreiben:
Freiheitswärts gibt es kein Stehenbleiben!

4.2.14

gutmenschenrap



wer sagt dass es gelaufen ist, ha, wer sagt es ist gelaufen, ob du muslim. christ oder jude bist, hindu oder atheist, du musst kaufen, laufen, raufen, ob du oben oder unten bist, die luft ist dreckig, die seele auch, was du frisst ist mist, ob am ganges, in new york, selbst der schnee am hymalaya ist voll russ und rauch, ob du du bist oder ein anderer, du bist ein seelenwanderer ob brooker in der wallstreet oder bettler in mumbay, die welt ist eine bombe und du lebst auf der bombe wie ein zombie der nicht weiss- er ist sein eigener verräter, seelenselbstmordattentäter, der nur nur für die arbeit lebt und du lebst nur für die reichen und du warst einmal lebendig, sei nicht leiche unter leichen, sei lebendiger, selbstständiger, verlass die löwen in der arena werde partylöwenbändiger, gib dich nicht zu früh verloren, zirkuskind der gladiatoren bist zum sklaven nicht geboren, bist zum spartakus geboren,

wir sind gutmenschen und kein menschengut, wir sind einzeln nur ein tropfen, doch zusammen sind wir flut, unsere wut und unser mut sind von keinerlei gewalten aufzuhalten
wir vermummen die verbote  und verbieten mummenschanz und wir rufen auf zum tanz auf den straßen und den plätzen werden wir ein zeichen setzen, machen wir aus vielen stücken die welt lebenswert und ganz, mit glück und glanz - lebenswert und ganz

wer sagt dass es gelaufen ist, ha, wer sagt es ist gelaufen, ob du muslim. christ oder jude bist, hindu oder atheist, empör dich, steh auf, kauf nicht, lauf und rauf, es muss nicht alles so kommen wie es aussieht, die welt ist zwar am verkommen, wenn vernunft sie da nicht rauszieht, aber auch wenn die gletscher schmelzen, messe nicht den wasserstand auf den fidschi und azoren, nimm dein leben in die hand, die niagarafälle sind vielleicht gefroren, aber das herz nicht, hörst du, das herz nicht und der verstand und das herz spricht: mensch du bist noch nicht verloren, bist zu besserem geboren, zur Liebe geboren

wir sind gutmenschen und kein menschengut, wir sind einzeln nur ein tropfen, doch zusammen sind wir flut, unsere wut und unser mut sind von keinerlei gewalten aufzuhalten
wir vermummen die verbote  und verbieten mummenschanz und wir rufen auf zum tanz auf den straßen und den plätzen werden wir ein zeichen setzen, machen wir aus vielen stücken die welt lebenswert und ganz, mit glück und glanz - lebenswert und ganz


wer sagt dass es gelaufen ist, ha, wer sagt es ist gelaufen, ob du muslim. christ oder jude bist
hindu oder atheist, wir lassen uns die welt nicht zerstören, wir werden uns empören, sie wird frei und uns gehören, es ist noch nicht zu spät, weil sturm erntet wer wind sät, von tunesien bis china von ägypten bis hawai von moskau bis palästina, einmal kommt für alle der mai vorbei und dann sind wir so frei und dann fahren in sotschi alle diktatoren tot schi, ist das erdöl erst mal alle, gibt es energie für alle und statt globalisierungsfalle - sonne, wasser, nahrung, keinen hunger mehr und im mittelmeer stirbt kein flüchtling mehr, das ist machbar herr nachbar, auch wenn bisher widerstand zu schwach war,

wir sind gutmenschen und kein menschengut, wir sind einzeln nur ein tropfen, doch zusammen sind wir flut, unsere wut und unser mut sind von keinerlei gewalten aufzuhalten
wir vermummen die verbote und verbieten mummenschanz und wir rufen auf zum tanz auf den straßen und den plätzen werden wir ein zeichen setzen, machen wir aus vielen stücken die welt lebenswert und ganz, mit glück und glanz - lebenswert und ganz

wer sagt dass es gelaufen ist, ha, wer sagt es ist gelaufen, ob du muslim. christ oder jude bist, hindu oder atheist, der freiheitsdrang der menschen ist stärker als jeder tsunami und taifun, dagegen ist kein kraut gewachsen, unser widerstand wird wachsen und wir werden uns nicht ausruhn, nicht nur rappen gegen teppen, tun, tun, tun – wie tsunami und taifun, bis die luft wieder rein ist, wir werden uns vernetzen, auf allen plätzen dieser erde, alles auf die freiheit setzen, bis die macht zerfliegt in fetzen, wie tsunami und taifun, und wir werden alles tun, dass es endlich besser wird

wir sind gutmenschen und kein menschengut, wir sind einzeln nur ein tropfen, doch zusammen sind wir flut, unsere wut und unser mut sind von keinerlei gewalten aufzuhalten
wir vermummen die verbote  und verbieten mummenschanz und wir rufen auf zum tanz auf den straßen und den plätzen werden wir ein zeichen setzen, machen wir aus vielen stücken die welt lebenswert und ganz, mit glück und glanz - lebenswert und ganz

20.1.14

Besser Querfeldein-steiger als Querschläger

Glaubt wirklich irgend jemand noch ernsthaft, dass Politik  zu machen sich nur auf das Parlament und die Regierung beschränken kann und dass die Nationalstaaten noch von ausschlaggebender Relevanz für die Lösung der globalen Probleme sind? Egon Bahr, der Architekt der deutschen, sprich europäischen Ostpolitik und Weggefährte Willy Brandts, brachte es kürzlich in einer Ö1 Sendung, im Interview mit Renata Schmidtkunz auf den Punkt: angesichts der globalen Probleme und Konflikte gibt es im Grunde nur zwei Politkonzepte: Kooperation oder Konfrontation. 

Wohin die globale Konfrontation führt, haben uns die beiden Weltkriege und der Holocaust im letzten Jahrhunderts gezeigt. Nicht die Visionäre, sondern die, die angesichts der aktuellen, weltweiten, militärischen Vernichtungspotenziale und des larvierten Weltwirtschaftskrieges noch an die Möglichkeit glauben die multiplen Konflikte und tiefen Krisen des nunmehr alleinherrschenden postkapitalistischen Systems mit militärischen Mitteln lösen zu können, brauchen meines Erachtens, in Abwandlung des Franz Vranitzky zugeschriebenen Diktums, dringend einen Arzt, oder besser noch einen Psychotherapeuten, eine Psychotherapeutin. 

Dem Menschen ist, wie neurobiologische Erkenntnisse zeigen eher das kooperative Gen, als das aggressive Gen eingeschrieben, Umstand, der sich in den zunehmend globalen, zivilgesellschaftlich getragenen Emanzipationsbewegungen manifestiert und zu einiger Hoffnung berechtigt. Die etablierte, weitgehend von den Wirtschaftslobbys entmachtete Politik täte gut daran weitblickend mit diesen neuen gesellschaftlichen Kräften zu kooperieren und ihre Entwicklung zu fördern. 

Der Mensch ist ein zoon politikon, der Staat, das Gemeinwesen, sind wir alle, Demokratie muss sich ständig weiterentwickeln, lebendig und in offener Diskussion bleiben. Die Frage wie und in welcher Weltordnung wir künftig leben wollen, ob wir Wirtschaft betreiben um zu leben oder leben, um Wirtschaft zu betreiben, muss klar und deutlich gestellt und für alle verständlich diskutiert werden. Auch welches Europa welche Rolle in der Welt spielen soll und muss. 

Jeder Quereinsteiger der diese Fragen stellt ist willkommen und ja, eine Schwalbe macht noch keine FREUNDlichere und friedlichere Welt. Aber mir ist jeder authentische und kreative Querfeldein-steiger immer noch lieber als abnickende  Parteibetonschädel oder gar nationalistische und rassistische Hetzer, kriegerische Feldzüge und deren Querschläger.

15.1.14

inbe-tweet



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14.01.14

Willkommen, Traurigkeit
inspiriert durch Mirjam Jessas Sendung ö1-2, in der sie das Lied „bonjour tristesse“ spielte

Wenn die Trauer kommt
Dann steigen wunderbare Bilder in mir hoch
Wenn die Trauer kommt
Dann rieche ich die wunderbaren Blumen der Provence
Wenn die Trauer kommt
Dann klingen grüne Hügel unterm großen Mond
Wenn die Trauer kommt
Dann weiß ich, ich habe gelebt und dieses Leben
Hat sich gelohnt

Wenn die Trauer kommt
Sage ich zu ihr – Bleibe da, setze dich, ruhe dich aus
Bleibe bei mir und sei mir nahe
Wenn die Trauer kommt
Ist sie von allen alten Lieben groß
Wenn die Trauer kommt
Dann weiß ich, ich habe geliebt
Und das war famos

Wenn die Trauer kommt
Dann sage ich – gehe nicht fort
Bleibe bei mir ein Weilchen
Ich war schon so lange nicht dort
Wo du sonst bist, wenn ich dich nicht spüre
Wenn die Trauer kommt
Dann sage ich – komme und gehe wann du willst
Immer offen steht dir meine Türe

Wenn die Trauer kommt
Sage ich – einmal gehe ich mit dir
Und dann drehe ich mich nicht mehr um
Und dann bleibe ich zum ersten Mal stumm
Und lasse alle Trauer traurig hinter mir


Immer (Tango)

Immer möchte ich etwas verändern
Und verändere mich, verändere mich
Immer möchte ich etwas behübschen und bebändern
Und es bleibt doch alles schrecklich

Immer möchte ich weit weg verreisen
Und ich kreise immer nur um mich, um mich
Immer möchte ich runter von den Gleisen
Und bleibe doch nur in der Spur

Auf einmal beginnt das Gras zu sprießen
Leise frisst der Rost die Schienen auf 
Wo einst Städte waren wachsen Wiesen
Und ein Fluss bahnt wild sich seinen Lauf


12.1.14

Bitte nicht stören



11. Jänner 2014

Song von Seelenmasern und Libidomumps

Herrgott, wenn ich denke, es ist jetzt Jänner
Und darauf folgt gar der Februar
In den Medien lese ich - große Männer
Lenken unsere Welt ganz wunderbar

Und ich fühle die Schlaffheit meiner Glieder
Frost im Herzen, obwohl es draußen taut
Herrgott, kommt das jährlich immer wieder
Die Saison in der man sich nichts traut?

Ich bin nicht der Held, der ich gerne wäre
Doch verbiete ich mir nicht, davon zu träumen
Säume nur die Welt und will doch nichts versäumen
Bin nicht Freibeuter der Meere, nur der Leere

Bin auch nicht der Liebhaber, der ich gerne wäre
Liebe das Unmögliche, das Mögliche ist Schwere
Wenn ich mich doch nicht so sehr im Stolz verfinge
Sähe ich viele, wunderbare, kleine Dinge

Doch

Die Ohnmacht macht mich krank und aggressiv
Die Ohnmacht und ihr kollektiver Mief
Die Ohnmacht auf der Bank, im Supermarkt
Giftschrank der Medien, die uns "verbledien“
Ich fühle mich rundum ziemlich eingesargt

Und

Meine Seele hat Masern, meine Libido Mumps
Am liebsten würde ich mich einsperren am Klo
Erst wenn  ich nachts todmüde in die Kissen plumps
Bin ich ein wenig froh – geht’s anderen ebenso?

Herrgott, wenn ich denke, es ist jetzt Jänner
Und darauf folgt gar der Februar
Diese Monate sind wirklich nicht der „Renner“
Erst im März beginnt für mich das neue Jahr

Also, bitte, Scheiß-Zeit, bleibe stehen
Wachstum und Profite auf die Komastation
Die Regierungen können nach Hause gehen
Glaubt mir – alle hätten was davon

Die Erde könnte sich vom Produzieren erholen
Ihre Bodenschätze würden nicht mehr gestohlen
Kriegstrommeln würden nicht mehr gerührt
Dazugehörige Kriege nicht mehr geführt
Hungernde bräuchten keine Nahrung mehr
Flüchtlinge ertränken nicht mehr im Meer
Statt Hast gäbe es Rast, statt Geld echte Welt
Das wäre ein Leben das mir gefällt

Aber statt dessen

Möchte ich, Masern – und Mumpszerfressen
Jänner und Februar am liebsten vergessen
Erst im März werde ich aufstehen und mich wieder empören
Bis dahin -  lasst mich schlafen und – bitte nicht stören!

7.1.14

schlichte gedichte



Wir leben 2014 nicht 1914

Wir gehen nicht mehr für euch sterben
Wir rennen nicht mehr ins Verderben
Wir schlagen die Welt nicht mehr in Scherben
Wir brauchen keine Wunden und Kerben
Wir widerstehen eurem Werben
Wir wollen euch nicht beerben
Wir leben!

Nachts am Balkon

Wunderbare Sterne der Liebe
Ihr leuchtet so klar aus unendlicher Ferne
Brennpunkte menschlicher Sehnsucht
Jeder einzelne einer Seele Laterne


5. Jänner 2014

Ich bin all das

Ich bin all das was ich sehe      
Ich bin all das was ich fühle
Ich bin all das was ich rieche
Ich bin all das was ich höre
Ich bin all das was ich tanze
Ich bin das Nichts und das Ganze

Ich bin das Licht und die Welle
Ich bin das dunkle und helle
Ich bin alles was ich denke
Ich bin was ich nehme und schenke
Ich bin Stein, Wasser, Feuer, Tier
Stern und Pflanze
Ich bin das was ich tanze
Ich bin das womit ich tanze
Ich bin ein Teil und ich bin das Ganze

Ich bin lebendig und ich bin tot
Ich bin das Meer und auf ihm das Boot
Ich bin traurig und bin ebenso froh
Ich bin gut und ich bin böse
Ich bin die Stille und das Getöse
Ich bin die Liebe und der Hass
Die miteinander kämpfen, ohne Unterlass
Ich bin in und aus dem Gleichgewicht
Und in der Schwebe
Solange ich lebe
Und ich lebe!

 6. Jänner 2014

Tiefe Empfindung

1.
Diamantlicht des Winters.
Schuberts Unvollendete
Unhörbares, unüberhörbares Waffengedröhn
Aller Schlachtfelder dieses Momentes
Blaulicht an der Rossauerlände
Kondensstreifen eines Linienfluges
Im wässrigen Blau über der Stadt
Alles hängt mit allem zusammen
Meist unerkannt und unbewusst
Spielt es trotzdem mit
Im Orchester des Selbst
Du fügst bestenfalls eine Note
Oder eine Pause hinzu
Zur Synfonie, die spielt
Und bist doch gleichzeitig
Dieses ständig neue
Sich verändernde Stück
Ganz und gar
Bis zu deinem Ende
Und darüber hinaus

2.
Schönheit
Ich muss dich lassen
Farben, ihr müsst verblassen
Doch in mir, in mir
Trage ich euch fort
Weiß noch nicht wohin
Weiß auch nicht den Sinn
Weiß selbst nicht wo und wer ich bin
Überall ist der Ort
Von Ende und Neubeginn
Dort will ich hin

3.
O, Heilkraft der Poesie
Verleugnet sie
Verachtet sie
Verlacht sie
Die Fantasie
Ist das treueste Vieh
Sie und die Poesie
Verlassen mich nie

4.1.14

Überlegungen zum Jahresbeginn

1.
Der einzige Maßstab für die persönliche Leistung ist die eigene Zufriedenheit
Die eigene Zufriedenheit ist aber nicht abhängig von der persönlichen Leistung
Also warum sollte die persönliche Leistung dann gesellschaftlicher Maßstab sein?

2.
Bestimmen andere was ich tue, oder bestimmt mein Selbst, Stimmt mein Selbst?

3.
Gute Vorsätze brauchen keinen Nachruf.

3.1.14

Nachzügler aus dem Jahr 2007


Folgende Gedichte entstanden im Jahr 2007, also lange vor meinem Psychotherapiestudium und waren bisher auf meinem Blog mit dem Titel (b)logbuch zu finden. Da ich die beiden Blogs nunmehr zu einem einzigen zusammen lege, nehme ich sie, "der Ordnung halber", mit  in das nunmehr einzige Zentralorgan meiner weltlichen Seelsorge : "laut gedacht" (b)logbuch. 

Dienstag, 28. August 2007

Mit Hüseyin am See
 
Der August vergeht
Die Sonne sinkt
Wir retten die Welt,
Wir verfluchen das Geld
Wir sprechen über die Kunst,
Über Kitsch, über Maltechniken,
Über dies und das
Und der See ertrinkt
in einem butroten Tintenfass.

Die Gelsen kommen
Die Zivilisation /wir/
Weichen zurück vor
Dieser Invasion
Still war es da, für
Einen Moment, das Glück
Einfach da zu sein
Und ist Geschichte schon
Im Vollmondschein

 

Montag, 13. August 2007

Veronika

Wann immer wer dich brauchte, warst du da
Adieu, unsere Schwester Veronika

Du bist gegangen wie du gekommen bist,
bescheiden, durch die Hintertür unserer Herzen
Ich bin stolz mit dir getanzt zu haben
Im Keller unseres Stadtteilzentrums, Centro Onze

Du warst keine Bürokratin, du dientest keinem Staat sondern der Menschlichkeit,
Warst nicht Parteisoldatin, wolltest Gerechtigkeit

Du hast soviel gesehen. Die große Armut und den großen Reichtum
Die Heimat, das Exil, dein Heimatexil.Du dientest keiner Nation
Der Freiheit dientest du, träumtest davon
Und wusstest unerreichbar doch das Ziel
Einer Welt ohne „machismo“, ohne Gewalt, ohne Geld
Wo jeder genug zum Leben hat
Und Mann und Frau sind gleich gestellt

Ich sehe dich, rund und flink hinter dem Tresen stehen
Klein, quirlig, lustig, voll Temperament
Ein Schlückchen Rotwein, eine Zigarette, Empanadas
Veronika, wie sie hier jeder kennt

Du warst kein Großmaul, arbeitetest viel,
wohl viel zu viel hast du bereits ertragen
du spieltest gern und war auch ernst dein Spiel
wie es ganz tief in dir drin aussah, wer kann das schon sagen.

Du glänztest nicht, standst nicht im Rampenlicht
Die Arbeit die du machtest sah man nicht
Was niemand machen wollte, machtest du
Verwaltung, Buchhaltung, und lächeltest dazu

Nun lass mich noch ein letztes mal
Dir Blumen bringen und dir danke sagen
Die Lücke, die du lässt, ist nicht bescheiden
Wir werden stark gefordert sein sie auszukleiden
So gut es geht. Wir können sie nicht schließen
Doch eines können wir dir sicher sagen:
Wir werden unsere Träume weiter gießen
Und einmal wird daraus die Freiheit sprießen
Für die auch du kämpftest, fleißig und still

Und was ich dir heut noch zum Abschied sagen will:
Wann immer ich dich brauchte warst du da.
Adieu, ich danke dir, Veronika


Montag, 6. August 2007

Niemands Abend


Schön ist dieser Sommerabend
Er betäubt so manchen Schmerz
Und begleitet, uns die Seele labend
Uns auf unserer Reise winterwärts

Schön der Abend, wenn der Tage Dochte
langsam kürzer werden und verdunkeln
Und das Herz, das noch so kräftig pochte
Unstet wird wie fernes Sternenfunkeln

Abend geh - wie auch die Liebe schwindet
Alles endet einmal in der großen Nacht
Niemand weiß ob er sie wiederfindet,
Ob er den Verlust jemals verwindet
Wenn auch morgen neu die Sonne lacht

 

Freitag, 3. August 2007

Sehnsucht nach Metamorphose


Ich bin so traurig, ich weiß nicht warum
Der Sommer ist noch nicht einmal um
Ich nehme nichts leicht, ich nehme nichts schwer
Ich tu so als ob nichts gewesen wär`
Als ob es mich gar nicht gäbe

Und ich spüre doch vage da muss noch was sein
Die Welt ist voll Menschen, du bist nicht allein
Und ich streife nicht an, horche in mich hinein
ob ich irgendetwas vernehmen kann, fühlen kann
das mir eindeutig sagt, dass ich lebe

Die Städte sind voll und die Städte sind leer
und ich bin ohne Dich und Du fehlst mir so sehr
so sehr wie dem Fuchs die Traube

Nicht alt werden im Kopf, die Welt neu sehen jeden Tag
ertragen jeden herben Schicksalsschlag
und aus dem Sumpf sich ziehen am eigenen Zopf
Selbstmitleid ja, mit Augenmaß und Ziel
Sich etwa gutes tun und sich belohnen
Doch nicht zu lange und auch nicht zuviel
Wie schwer ist es doch in sich selbst zu wohnen

denkt sich der Fuchs und wird zur Taube
und fliegt davon zu seiner süßen Traube


Adieu für Georg Danzer

22. Juni 2007

Für Georg Danzer

Sommer wars mit einem Paukenschlag

Ein Sturm kam auf – der Frühling war verblasen
Der längste Tag, die kürzeste Nacht
Der Sommer hat den Frühling umgebracht

P.S.Und ncht nur der liegt heute unterm Rasen


O Homer!

Trauerlied für den fahrenden Sänger


Du glaubst du kannst die Welt ertragen
Du glaubst du kannst die Wahrheit sagen
Du glaubst im Ozean der Tage
kannst du getrost die Rückkehr wagen
in dein geliebtes Ithaka
doch das gibts nicht, war niemals da
und scheint uns manchmal doch so nah

Du glaubst nur weil die Sterne blinken
kannst du in ihnen nicht versinken
Du glaubst die Schafe die dir winken
dir applaudieren und schreien Hurrah
suchen wie du nach Ithaka
Es wird dir klar, du hast geirrt
dich irgendwo am Weg verirrt
Hast zwischen Mündern, Kindern, Wunden
dir tausend Traumwege gefunden
und konntest sie nicht alle gehen
hast diese Welt nie ganz gesehen

Verstehst nicht was mit dir geschieht
von Fels zu Fels, von Lied zu Lied
Geschlagen, an den Mast gebunden
Vom Wind gepeitscht, Salz in den Wunden
als Ruder nur deine Gitarre
als Segel deine Sehnsucht nur
liebst du das Fremde und Bizarre
das Nahe, Leise und Vertraute
meidest das Grelle, Allzulaute
ziehst nach dem Kompass deiner Laute
stolz taumelnd deines Lebens Spur
Durch Stadt und Land und Wald und Flur
nach Haus, nach Haus, ins All hinaus

Fliehst falsche Freunde, Kälte, Wände
suchst echte, herzlich offene Hände
doch sind die meist zur Faust geballt
zu einem dunklen Fäustewald
aus Geld und Macht, Neid und Gewalt

Die Hoffnung in den Traum gekrallt,
das Sehnsuchtsegel, prall, trotz Flaute
fährst vorwärts du, kraft deiner Laute
betörend Jungfrauen und Sirenen
mit Liebesliedern und mit Tränen
die dich wie Wellen weitertragen
und ohne Bitterkeit und Klagen
reist ständig du nach Ithaka
Und glaubst du kannst die Welt ertragen
und glaubst du kannst die Wahrheit sagen
und glaubst du kannst die Rückkehr wagen
in dein geliebtes Ithaka

Und jetzt, am Ende deiner Tage
Inmitten deiner armen Lieben
Die stets an deiner Seite blieben
weißt du - es gibt kein Ithaka
Du lächelst mutig: Seht, ich wage
die Heimkehr, seht, ich bin schon da
Im Land, das ich stets vor mir sah
Vorbei der Schmerz, die Not, die Plage
Ins Weite wurde ich getrieben
Ihr Bleibenden, lebt wohl, ihr Lieben
Bin endlich da in Ithaka


Kleiner Nachtrag


25. Mai 2007

Frühling und Freundschaft


Freundschaft ist eine seltene Blume voll Stacheln und Düften und Farben. Freundschaft ist oft eine kleine, armselige Krume, die dich dann nährt, wenn du sie brauchst. Freundschaft ist Magie ohne Heuchelei, ist ein Strohhalm, der dich ncht vor dem Ertrinken rettet, der dir Wasser spendet, wenn deine Seele dürstet. Freundschaft ist unerwartet, nicht abrufbar, aber da. Seltsamerweise da, auch wenn du nicht an sie denkst, nicht auf sie hoffst. Dieses Geschenk braucht keinen Platz, braucht keinen Preis. Es ist überall verfügbar auf seltsame, nie vorhersehbare Weise. Danke.



13. Mai 2007


Mütter 

Zum 2. Muttertag nach deinem Tod meiner Mutter

 
Das was ihr gebt kann man nur nehmen
Dass etwas lebt ist euer Verdienst
Jeder Mensch der atmet ging durch eure Hände
Eure wunderbaren Hände, von Anfang bis zum Ende
Und alles war gut, Mutter, als du uns erschienst
Wir haben genommen ohne darauf zu achten
Wir haben getrunken an ewiger Brust
Wir haben vergessen dir dafür zu danken
Wir haben das Wichtigste nicht zu sagen gewusst
Dann warst du verschwunden, dann warst du vorüber
Dann standen wir da, Mutterseelenallein
Dann pflanzten wir Träume in unsere Wunden
Rieben Salz der Erinnerung hinein
In jedem Bauch jeder einzelnen Mutter
Werden wir stets geboren aufs Neue
In den Kälten der Arktis, im bengalischen Dschungel
Im Ghetto der Städte, im Rinnsal der Erde
Von der Wiege zum Grab haltet ihr uns die Treue
Halten wir euch die Treue
Mütter, Mütter, Mütter, Mütter - Die Fruchtbarkeit
Mütter, Mütter, Mütter, Mütter - Die Dankbarkeit


Mittwoch, 30. Mai 2007


Poesie und Politik 

Sind die Pole zwischen denen sich mein Leben vor allem bewegt. Und Liebe natürlich, ohne die gar nichts geht. Immer schon habe ich Gedichte geschrieben, auch Kommentare zum Zeitgeschehen. In meiner Zeit in Südfrankreich schrieb und inszenierte ich Musiktheaterstücke. Seit 1986 bin ich weder in Österreich. Sozialbewegung, Lichtermeer 1993 und SOS Mitmensch, das Stadtteilzentrum Simmering "Centro 11", das immer noch aktiv ist, 10 Jahre parteiloser Klubobmann der Simmeringer Grünen, sind nur einige Stationen meiner bisherigen Reise. Jetzt lebe ich in Döbling und arbeite bei Sozial Global im Bereich der Seniorenpflege. Dazu kam ich als "Quereinsteiger", als meine, inzwischen verstorbene, Mutter vor vier Jahren schwer pflegebedürftig wurde. Seither habe ich diesen unbekannten verdrängten und weitgehend tabuisierten, stetig wachsenden Kontinent der Pflege von der "Pike" auf kennengelernt und bemühe mich Kultur in die Pflege zu bringen. Unter dem Motto: die Welt braucht Pflege. Letztes Jahr erschien ein Sammelband meiner Gedichte unter dem Titel "Venedig in Simmering" im kleinen Sonnberg Verlag. Gedanken, Gedichte, Lieder, Kommentare schreibe ich unentwegt und will sie euch ab nun nicht mehr vorenthalten. Raus aus der Schublade - hinein ins (b)logbuch. Quasi als Flaschenpost. Gute Reise!