23.5.13

Der Hund zieht weiter...(für George Moustaki)

22. Mai 2013

Zwischen zwei Therapiesitzungen
Die Donau, Da sein, die Liebe und das Wort

Donaugeruch. Lebensgeruch
Fisch und Algen, Kuhflatich, Meer,
Brennesseln, Schilf…
Ein Schiff kommt daher

Die Donau fließt
Das Herz ist mir schwer
Und leicht zugleich, es fließt mit
Und es ist nicht aus Österreich

Da ziehen Zigeuner und flicken die Kessel
Da reiten die Hunnen, da tobt manche Schlacht
Die Donau zieht, aus ewigen Brunnen
Und Quellen gespeist, in grünblauer Pracht

Die Burgen verfallen, Dynastien stürzen
Vergänglich ist alles  - ich und die Zeit
Die Donau fließt wie zum Trotz des Zerfalles
In immer, nie gleicher Flussewigkeit

Und alles wird nichtig, Last trägt sie fort
Die Donau ist mein sicherer Ort
Nur das Da sein ist wichtig
Die Liebe und das Wort


Einfache Einsicht in der Einschicht

Glücklich wer Leistung und Lob
Zu einem fliegenden Teppich wob
Traurig, wer in Angst vor Tadel
Sein Leben abspult im Hamsterradel


George Moustaki

Das ganze Höllenfeuer glimmt in der Glut der Gauloise
wenn er sie in den Mund nimmt, um die Hölle auf Erden zu vergessen
Und alle Bitterkeit der Welt spülte er runter mit einem großen Schluck
Aus dem Rotweinglas und mit Gitarrenklang machte er müde Seelen munter
Lieder und Geschichten hingen in seinem Bart, Mondnächte und Seufzer in seinem Haar
Mit seinen Liedern zauberte er einen goldenen Rand um unsere triste Alltagsgegenwart und in Seiner Musik war eine kleine Freiheit die  Mensch und Mensch verband und wie eine Verheißung klang nach jenem Zauberland „Filotima“ wo alle Kinder satt und alle Meere sauber sind, wo Arbeit Sinn macht und das ist ihr Gewinn und Leben findet gleich und einfach statt. Brel, Brassens, Reggiani, Angelopoulos, Sarah Kirsch, Moustaki …wo sind die alle hin? Sie hattens eilig, konnten es nicht erwarten, dass wie ein Kartenhaus der schöne, kalte Schein  der besten aller Welten, Gier, Prahlerei, Konsum und Wachstum grenzenlos, in sich zusammenfällt und Macht Platz macht einem großen, stillen Garten, in dem man spielt, sich liebt, gemeinsam Haus und Hof bestellt und jeder Mensch was zählt  und wertvoll ist, in allen seinen Eigen-Einzigarten. Der Hund zieht weiter und die Karawane bellt.

23.4.13

Nur die Liebe hat recht


  1. April 2013
Gedankensplitter für ein Theaterstück

zEUss
Troika
Chor der MitläuferInnen
mit diversen Bändern aneinander gekettet
auf diesen Bändern Werbesprüche
Der Götterbote Baumgartner
kopfüber springend
die Demokratie in Frage stellend
Die Drohnen (Hornissen)
suchen sich die Andersdenkenden
und eliminieren diese mit „Neuronenbomben“
oder programmieren sie um
Facebook schickt likes oder dont likes
die Strahlen aussenden, bis
Alle strahlen

  1. April 2013

Erfreute Leute

Erleuchteter Tag
Dennoch die Knochen schmerzen
Leben ist sterblich

Junge Radlerin
Blickt mich an wie du damals
Despina, wie du

Überall heute
Erfreute Leute, vielleicht
Weil es Frühling ist


Ausbruch der Schattenherde
aus ihren Koppeln

Die Zeit ohne Schatten ist endlich vorüber
Sie strecken sich wieder die dunklen Tiere
Die Sonne schaut endlich wieder vorbei
Und die Schatten lassen sich nieder. Auf allen Vieren
Kriechen sie über die ganze Erde
Du siehst sie überall gallopieren
In Zeitlupe, ganz ohne Eile
Wie körperlose Schattenpfeile
Die Sonne ließ sie wieder frei
Die Schattenherde

  1. April 2013
Tiefer Eindruck

Wir waren jung, wir waren unaufhaltsam
Und unausstehlich waren wir auch
Wir waren Feuer und wir waren Kohle
Und werden bald zu Asche und zu Rauch
Doch eines ist gewiss, das Feuer brennt
Auch ohne uns und neue Blüten trägt
Der alte Strauch

Etwas, ich kanns nicht beschreiben

Knospen treiben, Vögel singen
Blauer Himmel, Wolkenfetzen
Etwas atmet in den Dingen
Etwas, das wird ewig bleiben
Ewig Tod und Leben bringen
Wird uns heilen und verletzen
Etwas, ich kanns nicht beschreiben
Nur in blasse Worte setzen

Etwas ist in den Augen der Menschen
Das ist seltsam tief und verbunden
Es grünt und gelbt und blaut
Die Welt wechselt die Haut
Etwas heilt alle Wunden


Frühlingsreport
in Haiku-Form

Die Vögel haben
Das Zwitschern noch nicht verlernt
Die Zweige blühen

Sonne auf der Haut
Farbfeuerwerk im Auge
Schwäne im Wasser

In der Kuchelau
Nackt in der Sonne lieg ich
Und denke an dich

Im Wasser war ich
Noch nicht, das ist mir zu kalt
Aber die Seele

Wahre Anmaßung

Nichts soll mir gehören
Nichts
Außer das Nichts

  1. April 2013
Nach langem Winter
Weißrosa Blüten fallen
Im kurzen Frühlingl

Auch in der U-Bahn
Sagte mir ein Kollege:
Konfettiblüten

  1. April 2013
Nur die Liebe hat recht
Bei der I-Dance-Company und Peter Turrini in Krems

In den goldenen Netzen der Poesie
Zappeln die Traumfische
Wie Raumschiffe
Aus einer anderen Galaxie
Blühen Lächeln auf Gesichtern
Werden zu leuchtenden Lichtern
Und die Herzen schlagen offen
Stellen und lösen alle Fragen
Mit staunendem Hoffen
Wackelnde Anmut, schlurfende Grazie
Tanzen Würde ohne Bürde, grauenvoll, echt, wahr
Und Räume entstehen wo „Krank“ und „Gesund“
Sich gemeinsam verpflanzen zu Bäumen und Wesen
Aus einem Geschlecht, Hand in Hand, Mund an Mund
Haar an Haar, wunderbar. Und der Mensch kann genesen
Und die Welt wird gerecht. Und die Liebe hat recht.
Nur die Liebe hat recht

  1. April 2013
Verbünden, nicht binden
(für die Paartherapie)

Mit gebundenen Flügeln
Kann man nur fallen
Bestenfalls flattern
Nicht fliegen
Also
Gemeinsam, frei
Und ungebunden
Sich zum Fliegen
Verbünden

4.4.13

Endlich Frühling ist


Wenn...

Wenn ich genagelt bin an meine Zeit, an meinen Ort
Wie nagelt man Wolken fest und den Wind?

Wenn ich eingemauert bin in den Alltag der Gewohnheiten
Wie sperrt man den Schatten ein und den Sonnenstrahl

Wenn ich begraben bin in der Erde
Wie begräbt man die Sehnsucht und den Traum

Wenn ich gebunden bin mit den Fesseln der Liebe
Wie fesselt man die Freiheit der Seele
Wie unterbindet man ihren Flügelschlag

  1. Februar 2013

Durchpflüge die Nacht
Sääe die Schlaflosigkeit
Dresche das Traumfeld


Trauriger Morgen

Stephane Hessel ist gestorben. Der junge 95jährige, im herannahenden Frühling, in Paris, im Jahr 2013, 68 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus. Was für ein leuchtendes Beispiel eines erfüllten Lebens, das auch nach dem Tod nicht endet, weil es sich einschrieb in den jungen Atem der Zeit, ihre Probleme offen aussprechend und über den Gartenzaun des eigenen, endlichen Lebens hinaus zu entwerfen, zu planen, zu träumen wagte. Und nicht nur zu träumen.
Aufzurütteln, mit leiser, sanfter Stimme, auf den oft unbequemen Punkt zu kommen – genießt das Leben, schöpft aus dem Vollen, weidet euch aneinander und an der unendlich schönen und reichen Welt, aber vergesst nicht die die leiden, empört euch gegen die Ungerechtigkeit, fühlt das Unakzeptable, das uns umgibt, gleich wo auf diesem winzigen Erdball; und empört euch nicht nur, handelt – nach euren Möglichkeiten, nach euren Kräften, ihr könnt es – erhebt euch aus den Betten der Leichtigkeiten, aus dem Sumpf der Plattheiten und den seichten Vergnügungen und sucht das tiefe, freie Wasser, den weiten, klaren Himmel, die andere, schöne Seele nebenan und ergreift Partei für das Leben und die Liebe gegen den Tod, gegen alle Todbringer, die ohne Rücksichten die Schätze der Erde, die für alle da sind, plündern und unsere Lebensgrundlagen vernichten durch Ausbeutung, Raubbau, Krieg, Mord, nur aus kurzsichtiger, von Panik genährter Macht- und Raffgier.
Stephane Hessel, du bist jung gegangen in den aufbrechenden Frühling der freien Menschheit und du wirst da sein, einer der zahlreichen stillen, doch mahnenden Helden der Befreiung, wenn andere, neue Menschen einst die Früchte der Empörung ernten und in Freiheit freudig genießen.


Haiku

Kind an Vaters Hand
Zum Frühlingskindergarten
Blitzstrahl der Liebe


Märzkälte

Vögel in Kälte
Zwitschern. Die rote Katze
Sucht Mäuse im Schnee


Wo ist Frühling?

Kalter, grauer Winterschleier
Liegt über der Frühlingsstadt
Allen geht das auf die Eier
Alle haben es schon satt
Wann findet endlich Frühling statt?

Sinnlos ist das Stadtgetriebe
Ringsumher nur falscher Schein
Schneematsch, keine Spur von Liebe
Kann hier Leben nützlich sein
Kann den Liebe hier gedeihen?

Und dazu noch dieser graue
Kalte, alte Wintermief
Frust und Frost wohin ich schaue
Wo ist Frühling – er verschlief
Liegt im Bett zu Haus der Schlaue
Und lacht über uns sich schief


Märzweh, Herzschnee

Märzschnee und Herzweh
Passen reimlich zusammen
Das muss nicht so sein

Schnee weh das Märzherz
In Aprilsonnenblüten
Und Regen so warm

Dass es sich öffnet
Dem wärmenden Sonnenstrahl
Und Winter vergisst


3. April 2013

Lass es uns im Schneetreiben treiben

Der Winter will nicht enden
Und alle Tiere leiden
Der Mensch ist auch ein Tier
Das lässt sich nicht vermeiden

Die Sonne ist ein Stück
Vertrocknete Zitrone
Kalt ist es auf der Erde
Die ich bewohne

Die Vögel fallen vom Himmel
Ihnen tut nichts mehr weh
Gefrorene Schreie zerspringen
Lautlos im Schnee

Behagen will sich nicht einstellen
Eine Brücke führt von Winter zu Winter
Sie führt über den Fluss Nichts
Da will ich nicht drübergehen

Zum Glück sind wir Tiere auch
Wenn uns die Gedanken nicht wärmen
Zünden wir einen Funken an
Und reiben Bauch an Bauch

Ewig kann es so nicht bleiben
Der Frühling jungt und das Gras
Wir zerbrechen das Glas
Und zwitschern vor Liebe

Der Schnee soll uns den Buckel runterrutschen
Die Kälte soll uns in die Knochen steigen
Wir besteigen feuriggoldene Kutschen
Und verschwinden im Du
Machen uns breit
Ungeachtet des Wetters und der Jahreszeit

  1. April 2013

Endlich Frühling ist

Die Freude überlistet
den Sprung im Gemäuer
oder in den Himmel

Der Efeu drängt
wie Engelflügel
in die Sonnenstrahlen

Wolkengebälk
zerflattert
und die Vögel
wissen nichts mehr
als zu singen

Die Singvögel
gackern richtiggehend
vor Freude

Und die Menschen
trennen sich
in Liebespaare
und die anderen

1.3.13

Frühlingsgefühl


  1. Februar 2013
Frühlingsgefühl

Eine Symphonie von Licht ertönt in meinem Herzen
Der Himmel zündet Milliarden Kerzen gegen den Winter an
Der Schnee schmilzt vor sich hin, der Himmel brennt in Blau
Und Vogelstimmen scherzen und alles jubiliert, mit frohem Sinn

Der Schritt wird leichter und die Vögel singen
Die Luft liebkost mich und die Sonne neckt
Was grad noch schwer schien, jetzt wird es gelingen
Der Frühling kommt, Winter hat sich versteckt

Ist reingekrochen in die nasse Erde
In Kieselsteine, schwarz, am Straßenrand
Die Knospen blinzeln, alles schreit: ich werde!
Die ganze Welt liegt offen auf der Hand

Mittagskonzert von Krähen, Amseln, Meisen
Die Welt gefällt sich neu im Sonnenkleid
Der Frühling kommt, die Seele will verreisen
Zu unbekannten Küsten ohne Tod und Leid

20.2.13

Gedichte im Winterausklang


Drei Haikus im Winterfrühling

  1. Jänner 2013

Unentschlossen, stets
verhaucht zwischen den Zeilen
der Liebe Atem

Vom Dach der Seele
Räume den Schnee von Gestern
Der Frühling kommt bald.

Goldfassade glänzt
Stadtmenschen lächeln im Staub
Wintersonnengold

  1. Jänner 2013

Eigenartige Wetterlage

Da hat der Sommer
Schon ein Stückchen Himmel
Mit seinem sorgenlosen Blau bemalt
Der letzte Jännertag, ein lauer Sturm treibt Wolken
Durch den Himmel und blutgetränkte Wattewolken vor sich her
Und plötzlich hat der Süden sich in diesem Tag sein Nest gebaut
Der liegt mit einem Mal mitten am Mittelmeer
Und Döbling fährt aus seiner Haut
Das mag ich sehr

Das Rot der Hagebutten blinzelt aus dem Grün
Palmkätzchen nicken sachte von den Zweigen
Und nicht zu übersehen ist das Bemühen
Von Allem sich in neuem Licht zu zeigen
Was eben noch gestorben war beginnt zu blühen
Und Frühlingslachen klingt im Winterschweigen

Und wie zum Gruß und zur Bestätigung
Erscheint fast auf dem Fuß ein Dachs, nimmt Witterung
Und quert bedächtig morgenstill die Straße, die der Fuchs sonst quert
Seltsamer Tag, seltsame Straße, auf der statt Autos oder Füchsen heute ein Dachs verkehrt

  1. Februar 2013

„Schlager“

Möwen an der Donau
Und etwas Sonne im Februar
Machen den Tag weniger grau
Als er vorher war

Kähne schleppen Kohlen
Mühen sich gegen den Fluss
Ich möchte mir von Dir holen
Lächeln und einen Kuss

Rostig am Ufer die Bäume
Träumen ein Frühlingslied
Hoffe dass ich nicht versäume
Wohin es mich so stark zieht

Zieht mich an allen Gliedern
In alle Richtungen fort
Würde so gerne erwidern
Gerne wäre ich dort

Weiß nicht wo dort ist
Wie komme ich dort hin
Suche in einer Wortlist
Einen verborgenen Sinn

Möwen an der Donau
Und etwas Sonne im Februar
Machen den Tag weniger grau
Als er vorher war

  1. März 2013
Raben am Morgen
In graukalter Dämmerung
Mein Herz fliegt mit euch


Meine ganz eigene Melodie

In dieser weiten, wogenden Welt der Worte
Ist da ein Platz für mich, für einen meiner Sorte
Ist da ein Stern am Himmel oder eine Wolke
Der für mich da ist, ganz für mich allein
Und dieser Neumond da, der wie ein Mund lacht
In der Nacht, so weiß wie Molke, könnte dieser Mond
Wirklich für mich erstanden sein?
Ist diese Nacht aus schwarzem, blauen Leinen
Mein Baldachin über dem Liebesbett
Oder ein Taschentuch damit ich besser weinen kann
Wenn meine letzte Stund am End geschlagen hätt?
Ich fühle mich schweben, mitten hier im Leben
In Kälte und im Neonlicht der Stadt
Kein Knochen tut mir weh, ich fülle nicht Grab noch Gräben
Und glaube noch zu fliegen wenn ich gehe...
Mein Herz schlägt wild und mild und singt, hörst du es singen
Ich führe was im Schild, ich weiß nicht was, noch wie
Doch muss ich sie zu Ende bringen, meine seltsame
Naive, tiefe, ganz eigene Melodie.

  1. Februar 2013
Bescheidener Wunsch
Nach dem Antifa Konzert „Comedia Mundi Social Club“

Wenn nur der Februar schon zu Ende wäre. Die Kälte und die bleierne Schwere der lichtarmen Tage. Der graue Himmel. Wenn nur diese unsichere Leere wieder gefüllt wäre von Tierstimmen, vornehmlich von Vogelgezwitscher, von aus der Erde hervorbrechenden Gräsern und Blumen, von diesem unbeschreiblichen Duft wiederkehrenden Lebens, modrig, süß, belebend, und von den kitzelnden Sonnenstrahlen, die alle Feuer des Lebens entzünden mit ihren springenden, kribbelnden Funken.
Wie ich den März herbeisehne, wenn auch in uns wieder die Zellen erwachen aus ihrem Winterschlaf, das Blut wieder beschwingter fließt, die Sehnen, Bänder, Muskeln sich wohliger dehnen, spannen, entspannen und die Lungen sich freudiger füllen mit duftender Luft, das Herz schlägt mit frischflockigen Flügeln und der Drang nach Weite und Meer wieder zunimmt und die Sehnsucht nach unbedingter Liebe und unbändiger Zärtlichkeit, nach Umarmungen, nach Paarung, wo sich Überschwang einstellt und die Lust zu spielen, nackt zu laufen unter der Sonne im Wind, barfuß auf den Steinen, entlang des Flusses. Wie ein Kind. Wo wir wieder aus der Haut fahren wollen und mitfliegen mit den Wolken zu unbekannten Horizonten.
Ach, ich wünschte so sehr, dass es nicht mehr Februar wäre und dass die Toten leben. Ein bescheidener und doch unbeschreiblich großer Wunsch, der mit Sicherheit in Erfüllung geht.

21.1.13

20 Jahre Lichtermeer


Veteranentreffen mag ich nicht. Die Zeit vergeht, wir werden älter, neue Zeiten kommen. Die alte Sehnsucht bleibt. Die Sehnsucht nach einer anderen Politik. Ohne Politiker. Einer Politik, die alle was angeht und an der sich alle beteiligen, BürgerInnen, Menschen der globalen Polis, der Stadt, des Raumes ohne Grenzen, die den gesamten Planeten überzieht, in der Kultur und Natur versöhnt sind, die auf gesellschaftlichen Frieden und nachhaltiger Wirtschaft gründet und die einen neuen Zoon Politikon hervorbringt, den politischen, pluralistisch gebildeten, demokratisch gesinnten Menschen mit demokratischem Weltparlament, demokratischer Weltregierung, Mernschenrechtsverfassung, demokratischer Weltlegislative und Exekutive.

In dieser Vision schrumpeln die gegenwärtigen nationalistischen und nationalstaatlich ausgerichteten Politiken auf die Zwergengröße ihrer (partei)politischen RepräsentantInnen und auch die heute pseudodemokratisch zur Abstimmung gebrachte Wahl zwischen Skylla (Berufsheer) und Charybdis (Wehrpflicht) wird als Themenverfehlung erkenntlich, da ja die eigentliche Frage vielmehr lautet: beherzte Politik oder Krieg als Lösung lokaler oder globaler Konflikte.

Wir haben vor zwanzig Jahren eindrucksvoll, über Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg, ein vielstimmiges und doch einstmmiges Nein zum ersten Volksbegehren in Österreich gesagt, das gegen Menschen gerichtet war und damit en passent den Heldenplatz zum „Platz der Mitmenschen“ umfunktionierend, quasi die bösen Geister der faschistischen Vergangenheit dieses Platzes ausgetrieben. Dieser Moment wird mir und vielen anderen unvergesslich bleiben und er ist aus den Herzen derer, die daran beteiligt waren, nicht mehr auszulöschen. Die meisten davon leben heute noch, haben sich in ihren Bereichen immer wieder für Mitmenschlichkeit engagiert und werden das, und neue Generationen werden dazugekommen sein, bei gegebenem Anlass, auch Morgen wieder tun, davon bin ich überzeugt und daraus schöpfe ich auch heute noch meine Kaft und Zuversicht. Das Establishment sollte sich daher heute keinesfalls in Sicherheit wiegen, keine einzige Menschenrechtsschweinerei, kein einziges Verbrechen gegen Menschenwürde und Menschlichkeit ist vergessen. Emanzipationsbewegungen haben einen langen Atem und ein langes Gedächtnis und gegen sie ist auf Dauer kein Kraut und kein Unkraut gewachsen.

Die nicht zu kaschierende, strukturelle Systemkrise, des derzeit allein herrschenden globalen kapitalistischen Systems, das ohne nennenswertes organisiertes Gegengewicht auf Ausbeutung, Kinderarbeit, Kindersoldaten, Umweltzerstörung, wirtschaftlichen Raubbau, Kriege, Hunger, Massensterben aufgebaut ist und auch bereits im Herzen der hochzivilisierten Welt Millionen, vor allem jugendlicher Arbeitsloser produziert und dessen Maschinerie deutlich ins Ruckeln gekommen ist, hat einen nicht zu unterschätzenden Gegner gegen den sie überall mit allen Mitteln aufrüstet und zu Felde zieht: den bewussten, gebildeten, global denkenden und fühlenden, vernetzt handelnden Mitmenschen, der sich einbettet in ein Netz Gleichgesinnter, das man meinetwegen die globale Zivilgesellschaft nennen mag. Wenn in Tunesien die Jasminrervolution erblüht und (mit Rückschlägen) den gesamten Mittelmeerraum erfasst, zittern die Machthaber von Peking über Moskau bis zur Wallstreet und am Ballhausplatz mit Recht.

Die Machthaber der alten Welt und des untergehenden Systems sollen in uns einen friedlichen Todfreund haben, - Menschen, die sich nicht mitreißen lassen wollen in deren vorhersehbaren Sturz vom Olymp des Wachstumswahns, den sie demnächst zusammen mit ihren Dynosaurier-Ölkonzernen, ihren Ratingagent-Huren, ihren kurzsichtigen militärischen Komplexen, Berufsidiotenarmeen, Korruptionsregierungen und Politikern unternehmen.

In den Zentren der derzeitigen Macht sitzen an allen erdenklichen Schaltstellen Mitmenschen, die, wenn die Situation es erfordert und für alle sichtbar SOS Signale aussendet, genauso grenzüberschreitend reagieren werden wie die 300.000 damals am 23. Jänner 1993. Sie werden alle verfügbaren Lichter in die Hand nehmen und die Dunkelheit vertreiben.

27.7.12

60 und so weiter



  1. Juli 2012
Anflug von Liebe
(Nachbeben der Gestalt-Experiment-Summerschool mit Thomas Fajs)

Irgendwas regt sich in mir
wie ein Saatkorn, das aufbricht, ein Keim
Gerade war da noch graue Wüste
und jetzt – Spannung und Feuchtigkeit
in den Augen und ein wohliges Gefühl
im Bauch und Unterdruck im Herzen, ein Tief
wie vor einem Sandsturm
Aber noch – Stille – zuviele Worte
Tonnen von hilflosem Papier
das keine Knospe hervorbringt
Aber doch – irgend etwas regt sich
in einem mikroskopischen Riss meiner Mauern
Still! Höre das Gras wachsen!
Zerrede nichts, kaue das Nichts
und das Alles – lass  laufen was kommt.
Nichts ist da?
Und doch, ich spüre im Saatkorn
das aufbricht, einen Anflug von Liebe.


Für Frau A

Wolken sind in mir, Wolken von Tränen
Ganze Sturzbäche, ganze Fluten
von Trauer und Wut, von Schmerz
und Schmutz. Aufgestaut sind sie
und brechen mir aus den Augen
tief aus dem Herzen und den Gedärmen
braust dieses Wutschwarz und füllt das
ganze AKH bis unters Dach mit seinem Schrei
Ich kotze sie aus die Überschwemmung in mir
ich bin wie ein lachender, nagender Biber
der die Schutzdämme annagt und unterminiert
die sterile Fläche des ordentlichen Alltags,
der scheinbaren Idylle, der unnahbaren
Gleichgültigkeit.
Ich weine mich frei und mache die Fenster
und Türen weit auf für den trockenen Sommer
und frischen Wind -
bald ist mein Haus wieder bewohnbar.


  1. Juli 2012

Versuchsanordnung

Gefangen hinter unsichtbaren Gittern
die weißen Kittel schützen nicht vor Gefühlen
Verrückte Welt – ein Ramschtisch zum Durchwühlen
und waren Kinder doch, die Ärzte, die ver-pillen-bittern

Gesunde Welt – ein Käfig voller Narren
Alles ist planquadriert, in Kasteln eingeschachtelt
Wer nicht hineinpasst ist verdächtig, schuldig
und wird von grantigen Schwestern „überwachtelt“!

Er sollte ruhig und dankbar still verharren
Gesund ist wer pariert und sich nett selbst kastriert
Das Leben ist eine Versuchsanordnung
wie es gelingt sich selber zu verscharren

Ärzte und Pflegepersonal verurteilt, lebenslänglich
die Patienten haben eine kleine Chance zu fliehen
Für Heilung ist Anpassung unumgänglich
denken die Wärter und lassen eifersüchtig
die Kranken nach dem Turnus in die Freiheit ziehen


Weiße Krähen

Weiße Krähen
schwarzer Schnee
schaust du weg
tu ich mir weh
schaust du her
bin ich nicht da
Sag ich Kri-
se, sagst du Kra-
ss und es wird
dein Auge nass

Was tut besser
Nadel, Messer
stechen, schneiden
keins von beiden
Über deine Seele springe
lasse Pein und Scham und Klinge
schreie, tobe, schlage, singe
alles tue, doch vermeide
an der Aggression zu leiden
schick sie auf die Trauerweide
tanze nicht auf Messers Schneide
weiße Krähe brich dein Schweigen
kannst ruhig deine Schwärze zeigen
Weiße Krähen
schwarzer Schnee
ich kann deine Seele sehen
rein und schön ist,
was ich seh
und tut weh
und nicht mehr weh

  1. Juli 2012

Tiefes Gefühl

Süßer Schmerz des Lebens
wenn ich bei mir bin
wenn ich Schauer spüre
dass mein Herz sich rühre
und alle Sinne sind nur mehr ein Sinn

Süßer Schmerz der Trauer
wenn die Wunden blühen
für die, die verschwunden
nun sich nicht mehr mühen
nach des Lebens Dauer
und ich kann sie spüren
wie sie tief in mir
Seele und Herz berühren
und ich bin noch hier
bin noch gerne hier,
ihr da, in der Ferne


Yeni, du - bist jetzt für mich Peru

Ich fühle deine starke Seele
Den Jubelschrei aus deiner Kehle
Der alle Leiden übersingt
Ich fühle himmelhohe Weiten
Die dich auf Schritt und Tritt begleiten
Die wilde Kraft die dich durchdringt

Yeni, du - bist jetzt für mich Peru

Ich sehe das Kind zwischen den Steinen
Ich höre in deinem Lachen Weinen
Sehe Kälte in deinem warmen Blick
Was je sie schlimmes dir auch taten
Das Kind in dir ist heil geblieben
Trotz Pein und Schmerzen wohl geraten
Freudig zu leben und zu lieben
Trotz aller großen Widrigkeiten
Tanzend die Wege zu beschreiten
Und frei, Yeni, ist dein Geschick
Dabei will ich dich gerne begleiten
So weit ich das auch immer kann
Als Freund, als Vater, Bruder, Mann...

Yeni, du - bist jetzt für mich Peru

Du bist mutig, witzig und gescheit
Fleißig und beharrlich, voll Bescheidenheit
Aufrecht, geradeheraus, wie Berge sind
Klar und sinnlich, unergründlich tief
Kleines Kind, das mit der Katze auf dem Rücken
bloßfüssig durch Eis und Kälte lief
immer glaubend an die gute Möglicheit
Manchmal auch umwölkt von dunkelschwarzem Wolkenhaar
Voll Geheimnis, Irrlicht und Gefahr
Aber nur für kurze Zeit schreit dann der Jaguar Hoffnungslosigkeit
Mit dem Kondor und dem neuen Wind
kommt bald wieder Heiterkeit und Sonnenschein
Denn es weiß doch jedes kleine Kind
Berggipfel sind einsam, Yeni, aber nie allein

Yeni, du - bist jetzt für mich Peru

Ich fühle deine starke Seele
Den Jubelschrei aus deiner Kehle
Der alle Leiden übersingt
Ich fühle himmelhohe Weiten
Die dich auf Schritt und Tritt begleiten
Die wilde Kraft die dich durchdringt
und nun auch in mir weiterklingt

Zwischenbilanz

Bisher war ich vie zul „vorsechzig“.
In Zukunft wervde ich mit mir etwas „Nachsechziger“ sein

So ist das

Ich wollte nie ein Schicksal haben
Jetzt hab ich es: schicksallos zu sein
In mir fliegt der Schmetterling der Neugier
Zappelt der Zeppelin der Exploration
Ich bin ein vorsichtiger Abenteurer
Ich wohne in meinem Kopf
und meine Sinne denken!
Lange Zeit wollte ich etwas sein
jetzt bin ich ganz einfach kompliziert
und schäme mich nicht dafür wie ich bin
Ich lebe mit mir in Frieden, das heißt
ich treibe mich an und lasse mich treiben
und höre nur auf mein Herz
auch dann wenn es gerade nicht schlägt
so hinke ich fliegend meinem Ende zu
und habe es gar nicht eilig
Ich lasse die Welt in mich hinein
und mich hinaus in die Welt
Umarmung nenne ich das
Ich umarme die Ewgkeit
in der Gegenwart. So ist das!

Frei am Fluss

Die Wolken ziehen
der Fluss zieht mit
Das dünne Gold des Abends
leuchtet auf Dächern
und im grünen Fluss
der grün und braun
das Gold ertränkt
Ein schöner Tag war
uns geschenkt
jetzt zieht er hin,
im Abendglanz
wie alles was ist
ziehen muss
Die Träne, die das
Auge befeuchtet
der Vogelschrei
der warme Kuss
alles was ist, vergeht
vertanzt
und wenn die Nacht
kommt, findet sie
uns nicht mehr wie
wir Morgens waren
Züge und Schiffe
abgefahren
Gefallene Blätter
bleierne Wimpern
Die Mauersegler
fliegen tief
Ein Jammer wer den
Tag verschlief
auf dem Klavier der
Angst zu klimpern
Die Nacht kommt
und der Tag fällt tief
in schwarze Sterne
des Nichts.
Bald schwimmen wir im
nächtlichen Tod
und warten auf das Rettungsboot
Verkünderin des Morgenlichts

  1. Juli 2012

Tiefer Wunsch nach Veränderung

Ich will die Welt zurückhaben,
Stück für Stück
Atom für Atom wieder
zusammenfügen
den Fluss hinauf
schwimmen
bis zu meinem Ursprung
in die Wolken
zurückregnen.
Und ich verfalle schon
wieder in die selben
Muster – perfekt
sein zu wollen -
mich hintert der Tätigkelt
zu verstecken
Alles zu organisieren
alle glücklich
machen zu wollen
und selbst nur
unruhig zu werden
Wieso habe ich kein
natürliches und
ruhiges, gelassenes
Selbstvertrauen?
Ich bin wie ich bin
und es kommt was kommt.
Weil ich den Lauf der Welt
andern will, muss.
Weil ich den Auftrag habe
und je mehr ich dessen
gewahr bin und mich
von ihm befreie,
merke wie sehr
ich mir selber
wünsche die Welt
würde anders werden -
schön, freundlich
friedlich und lustig
und ich möchte etwas
dazu beitragen
nichts oberflächliches,
tief aus mir selbst
heraus, wie ich
das tue wenn ich pflege oder
jemanden in der Therapie
stunde habe
tief aus mir heraus
verändern
und mich selbst
verändern

  1. Juli 2012

Immer Premiere

Für das Leben gibt es keine Probe
Es ist immer Premiere.

Fazit

Unterm Strich
Ich
und dazu
Du
ergibt
Wir
sind
immer noch hier
Uff, das spüre
ich jetzt und werde
ruhiger, meine Panik
und Spannung verfliegt
und ich bin bei mir
und das ist gut so
und fühlt sich gut an.
  1. Juli 2012

Yeni, wenn du singst...

Wenn Du singst
bewegt sich die Welt
unmerklich
und die Verschwundenen
singen mit.
Das Spinnennetz
der Zeit,
das Gefängnis unserer
Träume schwingt
zwischen den
Bäumen der Angst
und zerreißt
und durch die kleinen Risse
entschlüpfen
die gefangenen
Träume wie
kleine Tiere
ins Freie
des Jetzt
Die Wunden
heilen, die
Tränen trocknen
im leisen Wind
deiner Stimme
wächst die
Blume der Sonne
und über den Rücken
meiner Seele
läuft ein Schauer
des Glücks
Wenn Du singst
liege ich an
der Brust
meiner Mutter
und die Erde,
ich spüre es,
unter meinen
Füßen
unterbricht
ihren grollenden
Lauf
und tanzt

Wenn Du
singst, Yeni
wird meine
Liebe wach.
  1. Juli 2012

In den violetten
Wassern der Donau
ertrinkt mein
nachtschwarzes Herz

Jemanden erwarten

Wie schön es ist auf
jemanden zu warten
dass es da jemanden
gibt, der zu dir
kommt wie aus
einem paradiesischen Garten
aus dem Nichts, einfach
da ist, aus Fleisch und Blut
und atmet und lacht
und ist plötzlich da
klein, schwarz, wie die Mitternacht
und ist plötzlich nah
Ach, wie tut das gut
und du hast das Gefühl,
dass dich jemand
liebt.