15.10.17

Tag vor der Wahl

 


















Der Himmel ist blau
Die Blätter sind grün
Ich sitze im Freien
Wohin ich auch schau
Großes Verblühn


Die Wände sind weiß
Das Kreuz tut weh
Ich trinke Rotwein
Der Abend kommt leis
Wie ein Schattenreh

 












Schwarznacht wird sein
Wenn ich aufbreche
Nur Sterne leuchten dann
Ich bin nicht allein
Mit meiner Schwäche

Morgen wird gewählt
Die Zukunft teile ich
Wie die Gegenwart
Es sei nicht verhehlt
Winter, ich fürchte dich





















Aber nach dir kommt
Der Fruehling, das ist so
Wenn das Feuer erlischt
Welt mir nicht frommt
Kuschel ich mich in Stroh

Widerstand leiste ich so und so!



14.10.17

Wählen wir das Beste!

Wir, das Volk, haben uns das Beste und die Besten verdient

Es ist halb fünf, der Himmel draußen ist klar. Die Nerven prickeln, ich bin aufgewacht mit schwerem Kopf, in einer vollen Leere. Ein Tag noch, dann die Wahl, in diesem kleinen Österreich. Ich fühle in mir alle Last der Erdenschwere und frage mich wie es wohl wäre, wenn nach dem Sonntag die ewig Gestrigen, in welcher Form und Farbe auch immer, gegen den Lauf der Zeit, zügellos die Zügel übernähmen und wäre es auch nur für kurze Zeit, es wäre zum Kotzen und zum Schämen. Nein, dazu ist dieses Land, sind wir alle zu gut.

Ist es zuviel verlangt, von PolitikerInnen anzunehmen sie wären kompetent und gäben, so wie die allermeisten von uns, ihr Bestes? Wir sind es ja, die ihre Arbeit finanzieren, in deren Dienst sie stehen. Wir, die Straßen und Häuser bauen, in den Schulen und Universitäten lernen und lehren, Dächer decken, Müll beseitigen, U-Bahnen, Flugzeuge, Züge lenken und dafür sorgen, dass das Leben für alle Menschen hier möglichst gut erträglich ist. Wir stehen in den Arztpraxen, machen Dienst in den Krankenhäusern, gehen von Wohnung zu Wohnung, pflegen unermüdlich Alte und Kranke, wir ziehen unsere Kinder groß, betreiben Fabriken, beackern die Felder, sorgen für Sicherheit und friedliches Leben in Stadt und Land für alle. Die PolitikerInnen sollten auf eine gut funktionierende Gesellschaft, deren Zusammenhalt, möglichst gute Stimmung, sozialen Frieden achten und mit uns allen an der gemeinsamen Lösung der großen, weltweit anstehenden Konflikte und Probleme arbeiten.Wer von ihnen tut das? Wer hebt seinen Kopf über den nationalen Tellerrand? Wer verdient unser Vertrauen?

Fühlen und denken wir in uns hinein, lassen wir uns nicht belügen. Die öffentliche Meinung hat mit der veröffentlichten Meinung nur sehr wenig zu tun, genausowenig wie beauftragte, käufliche Umfragen. Lassen wir uns nicht verführen und manipulieren, von übertrainierten Worthülsenproduzenten und eitlen, egoistischen, korruptionsanfälligen, karrierebesessenen Angstwindmühlenbetreibern!

Demokratie lässt sich nicht auf ein lächerliches Kreuz im runden Kreis reduzieren. Sie muss im Alltag lebendig sein. Sie ist eine sich ständig weiterentwickelnde, von allen Menschen zu erbringende, schöpferische Kulturleistung, die auf soliden, qualitätsvollen, unverhandelbaren Werten, Freiheits- und Menschenrechten, sozialer Gerechtigkeit, gerechter Chancenverteilung, politischer und kultureller Vielfalt, bestmöglicher Bildung und Lebensqualität der menschlichen Gemeinschaften und vor allem dem Friedenserhalt beruhen muss, will sie sich diese Bezeichnung verdienen.
Morgen findet eine wichtige Wahl statt, die mitentscheidet wohin sich Österreich in Zukunft entwickeln wird. In Richtung derer die, illusionär, die Zeit zurückdrehen wollen zu finsterer, nationalistischer Kleinstaaterei, Ausgrenzung, Verschärfung der sozialen und kulturellen Gegensätze, Abbau der sozialen Sicherheit, Aufhetzung der Menschen gegen Menschen, Aufbau autoritärer Macht- und Führerstrukturen, Zerstörung Europas, statt endlich Ausbau eines starken, sozialen, demokratisch verfassten und weltoffenen Europas, oder in Richtung einer menschenwürdigen Alternative. Einer kreativen, demokratischen Allianz demokratischer Parteien, in Zusammenarbeit mit der vielfältigen Zivilgesellschaft, für eine zukünftige Reformkoalition auf der Höhe der Zeit und ihrer zahlreichen, komplexen, nur parteien- und lagerübergreifend zu lösenden, Herausforderungen.

Wir haben die Wahl. Wir werden Sonntag sehen wie gefestigt die Demokratie in Österreich, wie stark verankert die Reformkraft der Kreisky-Ära in der Bevölkerung noch sind. Ich meine und hoffe, dass wir nicht so blöd sind wie es uns Boulevardmedien, unverantwortliche "Politberater" und „Spindoktoren“ glauben machen wollen. Hoffen und wählen wir das Beste!

1.7.17

Ja den Pülz wöhl i gern…

in den simmeringer straßen pfeifen schon die laaerberger alt- und jungspatzen neue, eingewienerte gassenhauer...

Ja den Pülz wöhl i gern…
(auf das Tiroler Heimatlied: auf die Berg geh i gern..)
Ja den Pülz wöhl i gern
Weul dea hot an schen Huat
Und waun i ned den Pülz wöhl
Es a aundera tuat

Ja, da Pülz der deckt auf
Und de aundan stecken ei
Waun mia ana den Pülz ausreisst
Ja, daun fohr i hoit drei

Partei hi, Partei her
Wöhlts den Pülz, weul jetzt gülts
Sei ka Schwammerl in dein Kammerl
Mitanaunda san ma mehr

Jeda trogt wos dazua bei
Rot, grün, pink, transparent
Wichtig is ned`d` Partei
Lösch ma`n Huat waun a brennt

Mir san fia Demokratie
Fia d`Allianz in da Not
Waunnst`n blauschwoazn Fülz net wüllst
Nau daunn wöhl hoit den Pülz

Ja den Pülz wöhl i gern
Weil dea hat an schen Huat
Und wann i ned den Pülz wöhl
Es a andera tuat

Liste Pilz - antwort an robert misik

Liste Pilz - antwort an robert misik
ok. wollen wir uns alle nicht übernehmen. die parteiapparate rennen sowieso so gut sie eben können. die zivilgesellschaft und viele gute köpfe sind bisher ziemlich angewidert von parteipropaganda, politquacksprech, pr-fuzzis und all dem üblichen, todlangweiligen, üblichen getue. kern kann es. wenn er er selbst ist wird er in den tv-diskusionen kurz u. strache alt aussehen lassen. lunacek ist versiert und europaerfahren wird die grün-kernwählerschichten erreichen. aber es braucht neben der pflicht eine kür. eine glaubhafte, authentische, begeisternde, mitreißende (das alles ist für den noch so genialen peter pilz alleine natürlich zuviel verlangt) tatsächliche bürgerInnenbewegung auf der höhe der zeitprobleme und mit verständlicher sprache. soviele gute leute liegen brach: alleine aus dem grünen bereich - voggenhuber, rossmann, moser, noll, öllinger... aber auch viele andere aus anderen feldern. soviele freischwebende künstlerInnen, schriftstellerInnen, politisch denkende Intelligenz (heller, haslinger, schindel, doron...... ) also braucht es, pilz hat es in der zib2 formuliert, einen neuen, politischen aufbruch, der dynamik in die diskussion und zur bevölkerung bringt. es braucht die glaubhafte, gemeinsame anstrengung aller an einer kreativen mehrheit jenseits blauschwarz interessierten (vdb-effekt). eigentlich sollten sich auch die kpö plus flora petrik aus demut und realitätssinn einer solchen neuen initiative anschließen, (flora auf die liste?) sonst sind sie sicher verlorene stimmen. es müssen die von der parteipolitik angefressenen angesprochen werden. machen die grünen 8%, peter pilz & co sagen wir mal 7% und die neos 5 (hausnummern), braucht kern nur mehr 32-34 für eine klare reformmehrheit. alle genannten kräfte und mehr sollten so eine liste organisatorisch und finanziell unterstützen, sie würden alle indirekt von so einer mobilisierung plus öffentlichem klimawandel durch intelligente, lebendige diskussion wichtiger themen, direkt oder indirekt profitieren. was hast du, robert, denn mit agora versucht. das war doch gewissermaßen vorausahnend ein probelauf dafür. SOS-Mitmensch, rep-club und viele andere initiativen könnten auf der straße eins drauflegen. und wenns nicht reicht, sind wenigstens ein, zwei versierte politikerInnen mehr in der dann notwendigen opposition. nur so mal als diskusiondbeitrag...a.l.

18.6.17

der geschenkte Tag




















Mund voll Mehl

 

Ich hab den Mund voll Mehl
Einen bitteren Geschmack in meiner Seel
Zermahlen fuehl ich mich in meiner Ruh
Mein bitter Ich sucht nach dem süßen Du

Der sauren Tage Brot in meinem Leib
Der Erde Stein und Staub und nackte Not
Ich sehne mich nach Kuss und Brust und Milch und Weib
Dass ich trotz Angst und Weh und Kält am Leben bleib
In dieser Welt voll Tod

Die Augen brennen, köstlich ist das Licht
Von draussen schimmert klingendes Getoen
Blut rauscht in meinen Ohren und es bricht
Ein neuer Tag an wild und mild und sterbenschoen


In Pensionserwartung



Ich kauf mir eine Ente
Es kommt die Zeit der Rente
Die Ente muss aus Gummi sein
Dann spring ich in die Wanne rein
Das Wasser muss al dente sein
Und hab gute Momente


AMANDLA AMANDINE


Amandla amandine
Der Traum wird zur Rosine
Die Wolke wird zum Fluss
Die Traene wird zum Kuss
Den ich mir verdiene

Amandla amandine
Im Heu liegt die Kusine
Auf der Suche nach der Nadel
Mit einem nackten Wadel
Am Lavendel sitzt die Biene

Amandla Amandine
Heißt meine Limusine
Sie ist blau wie die Provence
Gefährt eines Fauns
Besser als eine Draisine

Amandla Amandine
Wie ein Zug ohne Schiene
Fährt sie querfeldein
Und lässt mich nie allein
Und trägt nie Trauermine

 

Freier Tag


Der Tag gehört dir ganz allein
Lass dir nichts anderes sagen
Jede Wolke jeder Windstoss, jeder Stein am Wegrand
Gehören dir allein
Heute und an allen Tagen

Du musst nicht besitzen wollen
Den Mondschein und das Donnergrollen
Das Rauschen von Regen und Meer
Du wirst den Tag nicht behalten können
Du wirst ihn nur gestalten können

Lauf ihm nicht hinterher
Dem Duft der Rosen, dem Grün der Blätter
Lächeln, Blicken, Liebe, süßestem Schlaf
Sie kommen in Wellen bei wechselndem Wetter
Mal süß und mal bitter, mal leicht und mal schwer

Der Tag gehört dir allein du musst in ihm nur sein
Du brauchst dich nicht zu beeilen
Sei einfach da, mit allen deinen Sinnen da
Sei in der Welt dem Lebendigen nah
Und geniesse das Glueck es zu teilen.



















So ist es eben!

40 Jahre Longo mai Eisenkappel
Fest am Stopar-Hof

Die Welt entgleitet uns, das Wollen nützt sich ab
Ein stiller Rauch steigt auf von allen Dingen
Ein Nebel und ein Rauschen dämpfen Alltagstrab
So manches will dir nicht mehr ganz gelingen

Die Sonne scheint, der Mond wirft seinen Glanz
Und seinen Schatten auch, vor deine Füße
Ein kleiner Schmerz mischt sich in jeden Tanz
Und in die Luft - der lang Verschwundenen liebe Grüße

Das Rauschen, ist`s der Bach, der Tinitus?
Die süßesten Früchte, die zum Greifen nah
Dich locken, bleiben unerreicht oft
Doch dabei ist es noch lang nicht Schluss

Denn wilde Früchte sind für alle da
Und manchmal pflückst du eine, unverhofft
Fällt sie dir reif vom Ast vor deine Füße
Und  labst dich hungersatt an ihrer frischen Süße

Die Welt entgleitet uns, da hilft kein wildes Wollen
Der Mensch, dein Nachbar, Bruder, Schwester, Kind
Die Frau, der Mann, im dumpfen Donnergrollen
Der Lebensblitze, werden alt und krank und taub und blind

Verschwinden, dann und wann, im Lauf der Zeit
In der Geschichte dunklen Landschaftsfalten
Wir, die noch da sind, nützen die Gelegenheit
Trotz großer Trauer tiefe Freude zu entfalten

Freude am Dasein, das uns leise zerrinnt
Wie Wasserfarben, blass auf weißen Grund
Und wollen bis zuletzt das Bild gestalten
Von einer Welt mit rotem, lachenden Mund

Noch im Verschwinden wissen wir mit Sicherheit
Wenn wir die Jungen sehen, die uns mehr als spiegeln
Der wilde Lauf der Freiheit ist nicht aufzuhalten
Durch Mauern, Zäune, Schlösser, Gitter, Riegeln

Wir gehen unseren Schritt in euren Schritten weiter
Seit jeher durch Millionen Gräber, Gräben
Diese Gewissheit stimmt uns friedlich heiter
Bei aller Gier und Macht- und Todesstreben

Nach Weltherrschaft, Endsieg, vollkommener Weltzerstörung
Kraft Größenwahns und kapital dumpf geiler Idiotie
Erhebt sich doch aus Schrecken, Leid und Krieg, - Empörung
Das immerwährende Leben und ein freches: Ihr kriegt uns nie!

Die Welt entgleitet uns, das Wollen nützt sich ab?
Es werden andere sich dereinst mit uns erheben
Ein neuer Mensch steigt noch aus jedem Grab
Die Freiheit lacht zuletzt, so ist es eben.

Danke für diesen geschenkten Tag

 

Danke fuer diesen geschenkten Tag
Das blaugrüne Wasser, das ich so mag
Den Himmel, der sich blau darüber spannt
Das Grün der Huegel und der Uferwand

Danke fuer das Glitzern der Wellen
Ihrem Spiel ins Dunkle aus dem Hellen
Danke dem Gras das sich im Wind bewegt
Der Ruhe die sich auf meine Seele legt

Danke dem Du das mich wechselnd begleitet
Der tiefen Treue die das Herz mir weitet
Danke dem Dasein das mich lieben laesst
Ich geniesse dich, Tag und halte dich nicht fest


Ihr zwei dicken Wolkenfische


Ihr zwei dicken Wolkenfische vor der Sonne, zieht vorbei
Ich will endlich Sonnenbaden, dicke Fische, gebt sie frei
Ihr werft einen Riesenschatten wie ein Walfisch, wie ein Hai
Ich bin nur ein Sonnenbärschchen
Und will Sonne, zieht vorbei!

Ihr könnt mich doch nicht verarschen
Lasst die Sonne, geht nach Haus
Sie gehört den Sonnenbarschen
Los, zieht Leine, spuckt sie aus

Endlich sind sie abgezogen und der Sonne heisse Helle
Wärmt Rotfedern, Krebse, Barsche
Selbst das Fell von der Forelle
Sonne, allen Lebens Quelle
Wärm auch mir den Arsch
                                                    

Die große Reise 

Poetische Gedanken eines Gestalttherapeuten
heute, ausnahmsweise alleine, beim morgendlichen Kaffeekochen in der Küche

Bald gehe ich auf die große Reise
Auf die ich mich nicht wirklich freue
Und möchte euch von Herzen sagen
Dass ich, nicht nur des Reimes wegen
Von allen meinen verflossenen Tagen
Nicht einen einzigen bereue

Ich dachte immer das Leben sei ein Märchen
Allmählich verstehe ich, inmitten von grausamen Plunder
Von Lebensjährchen zu Lebensjährchen
Es ist ein einzigartiges Wunder
Und es hängt an einem seidenen Härchen
Das wir inmitten von allen Urgewalten
In unseren zitternden Händen halten

Euch allen aus meinen entschwundenen Tagen
Die mich begleiten, und das waren viele und auch nicht viele
Im Lachen, in Liebe, im Streiten, im Spiele
Möchte ich sagen, dass ihr in meinem beredten Schweigen
Immer Teil seid von mir und ich will euch endlich
Meinen Respekt und meine Liebe zeigen
Was mir nicht immer leicht fällt, wie ihr vielleicht wisst
Aber ich bin keiner, der auch nur irgendetwas vergisst

Ich dachte immer das Leben sei ein Märchen
Allmählich verstehe ich: inmitten von grausamen Plunder
Von Lebensjährchen zu Lebensjährchen
Es ist ein einzigartiges Wunder
Und es hängt an einem seidenen Härchen
Das wir inmitten von allen Urgewalten
In unseren zitternden Händen halten

Ich sage euch Danke, ihr habt mein Leben geteilt und belebt
Mich irgendwie streckenweise ausgehalten
Gemocht, auch geliebt, auch wenn ich es nicht immer spüren
Oder glauben konnte, ihr öffnetet meine Herzhorizonte
Und ich bedauere es, sollte ich euch verletzt, oder enttäuscht haben
Es war nicht meine Intention. Allzuoft stürmte ich auf und davon
Meiner Fantasie und meinen Träumen nach
So bewusst war ich mir dessen nie und ich stiftete oft Ungemach
Auf meinem instinktgeleiteten Weg, die ganze Welt lag für mich brach
Und das einzige was ich mit Gewissheit sagen kann:
Ich fühlte mich stets frei, das war und ist mein Privileg

Ich dachte immer das Leben sei ein Märchen
Allmählich verstehe ich: inmitten von grausamen Plunder
Von Lebensjährchen zu Lebensjährchen
Es ist ein einzigartiges Wunder
Und es hängt an einem seidenen Härchen
Das wir inmitten von allen Urgewalten
In unseren zitternden Händen halten

Meine Kinder, meine Eltern, meine nächsten Verwandten
Meine Freunde, meine Lieben
Ich wurde auch von euch weitergetrieben
Ihr habt mit an meinem Leben geschrieben
Und ich war vielleicht nur eine Fußnote, ein Komma
Oder ein Bindestrich in eurem Leben
Ich habe oft den Nächsten nicht genug gegeben
Aber ihr seid mir an jeder Straßenecke begegnet
In sovielen Unbekannten, auf sovielen Straßen
In Kinderlachen, im Krankenzimmer, in den Menschen
Die mir heute gegenübersitzen und saßen
Ich habe mich immer der Familie Mensch zugehörig gefühlt
Nächstenliebe und Fernstenliebe waren in mir vereint
Haben mich auf Trab gehalten und tief aufgewühlt
Haben meine Wege und Abwege besternt
Ach, ich lernte soviel, so sehr, so schwer, so leicht
Und habe nie genug gelernt und erreicht

Ich dachte immer das Leben sei ein Märchen
Allmählich verstehe ich: inmitten von grausamen Plunder
Von Lebensjährchen zu Lebensjährchen
Es ist ein einzigartiges Wunder
Und es hängt an einem seidenen Härchen
Das wir inmitten von allen Urgewalten
In unseren zitternden Händen halten

Angst, die Angst meiner Gegenüber
Habe ich bis zum Gehtnichtmehr in mich aufgenommen
Bin mit in tiefste Abgründe gestürzt
Und durch ungeheure Meereswogen geschwommen
Habe die furchterregendsten Gebirge erklommen
Und aber das stille Leben eines Kleinbürgers auch nicht verachtet
Sondern allzuoft selbst gelebt und genossen
Ach, wie schnell ist mein Leben bisher verflossen
Und tief in mir sitzt ein kleines Kind
Und weint in der Nacht, dieses Kind bist auch du
Und durch sein Schluchzen ist schließlich die Welt aufgewacht
Und setzte sich an sein Bett und spendete Trost und Ruh
Komm, weine ruhig, oder weine nicht
Sei für alles bereit, noch ist es nicht die Zeit
In meinen dunklen Schoß zurückzukehren
Noch kannst du strampeln, lieben, dich wehren
Noch ist dein Leben hell und famos grenzenlos
Noch kannst du den nächsten Morgen begehren
Sei ruhig, mein Kind, schlaf
Und wenn es Zeit ist, wenn es soweit ist, lass los

Ich dachte immer das Leben sei ein Märchen
Allmählich verstehe ich: inmitten von grausamen Plunder
Von Lebensjährchen zu Lebensjährchen
Es ist ein einzigartiges Wunder
Und es hängt an einem seidenen Härchen
Das wir inmitten von allen Urgewalten
In unseren zitternden Händen halten


 

 

 

 

 

 

 

 

 

25.3.17

unbeschwert

Zwei Haiku 


Kurz blüht die Blüte
der Macht, länger der Frühling
der sich allen gibt

Eine Blume nur
birgt mehr Leben als alle
Banken dieser Welt


Zum Frühlingsbeginn


Der Fruehling stinkt,
Der Tod taut auf
Das Leben blinkt
Scheint Sonne drauf

Ewigkeit riecht
Am Blumenstern
Der Winter kriecht
Und stirbt nicht gern

Allerleischlamm
Wird aufgewühlt
Bricht erst der Damm
Wird`s weggespuelt

Frühling ist
Undiszipliniert
Der alte Mist
Wird abserviert

Das mag gefallen
Oder nicht
Er schreibt uns allen
Sein Gedicht

Lässt Leben wachsen
Ehe er es bricht


25. März 2017

Unbeschwert

Wochenendlicher Lastenabstreifversuchsbericht
zur Erlangung größtmöglicher Unbeschwertheit

Ich streife die Woche ab. Sie klebt mir an der Haut, mit ihren monotonen Einzigartigkeiten. Soviele Blicke, Stufen, Küchen, Hinterhöfe, Gebrechlichkeit und Sterbende sind in mir eingebaut, die lassen sich auch mit den duftendsten Seifen nicht einfach abwaschen und aus den Gliedern streifen

Bis in die Knochen reicht die Müdigkeit der alten Welt, die Städtewirklichkeit, in der die Menschen, eingezwängt in einem Alltagsbeben unter Trümmern warten; auf einen warmen Blick und auf ein offenes Ohr, auf einen freundlichen Gruß und auf ein Herzbergwerk der Unerschöpflichkeit, auf einen Lebensgarten, der ihnen lange schon verwehrt und eine Sonne aus zweiter Hand, auf eine Hoffnung die erblüht, zu allen Jahreszeiten

Ich streife mir die Woche aus den Knochen. Sie war so hart und zart wie immer. Aus allen Spiegeln rieseln Alterungen. Ich dämmere dahin und dampfe aus das Stöhnen und Verzweiflung, Ängste, Zittern, Orientierungslosigkeiten, die anprallen an mich wie an die Hafenmauer eines Küstenstädtchens und an verwaschene Fenster aller Farben, blau, rot und schwarz und grün und gelb, die blass verwittert in die Nebel blicken, wie Augen in die Regentropfen klatschen und die doch auch durch soviele Sonnensommer rissig geworden sind und ausgebleicht

Ich streife mir die Woche aus dem Fleisch und aus dem Herzen. Unter der Haut ein Lavastrom von Müdigkeiten, von Winternächten, kalten Sternenhimmel, von eisigem Schweigen und von Vögelschreien. Ich sinke in den alten Ledersessel wie in ein angenehmes Grab, ganz schlafvergessen und aus dem Fernsehapparat besuchen mich die Reize der absterbenden, falschen, bösen Welt der Wirtschaft und der Politik, der Opfer und der Kriege, der Lügenfratzen und der Werbefritzen, ein abgeholzter Wald von Widerwärtigkeiten, Explosionen, Ungeheuern, von Marmeladeparadiesen…

Das, was nach diesem langen, langen Tag, am Ende dieser Woche, aus mir noch bleibt, erhebt sich schließlich steif und träge, ganz wie ein abgesessener Teig, mit Mühe, erleichtert und entleert und geht schlussendlich schlafen, unbeschwert.



25.2.17

Nicky und Norma

































Wir haben der Welt die Stirne gezeigt,
Auch den Sternen
Auf vielen Bühnen unseren Traum rausgegeigt
Aus den Kehlen Schreie der Hoffnung gelassen
Heute spielt und singt ihr mit uns
Portugal, Provence, Wien, Basel, Berlin…
Und wir wollen noch immer nach den Sternen fassen
Wir strecken uns, schon schmerzen die Glieder
Aber die Seele und der Schwung unserer alten Lieder
Sind aus dem Herzen nicht zu entfernen
Sie leben, so wie ihr, Norma und Nicki weiterlebt
In uns und mit uns
Dieses Gefühl der Nähe, glaubt mir, ist nicht zu verlernen
Ist nicht zu „entgernen“



20.2.17

Frührufbereitschaft

Hinter geschlossenen Fenstern, draußen schreien Möwen
Oder sinds Krähen? Durch die Rollo bricht Morgenblau
Wird man mich rufen und wohin, zu welchen Katastrophen
Des Lebens und des Alltags, des Schicksals und der Schmerzen

In welche Hoffnungslosigkeit wird man mich rufen
Mein Körper bebt von tausend feinen Nadelstichen unter der Haut
Das Chaos dieser Welt als Decke über mir will mich ersticken


Wird man mich rufen und wohin, zu welchen Katastrophen?

Mein ganzes Leben rollt vor meinen Augen ab, der Rücken schmerzt
Die Telefone schlafen noch neben dem Bett zum Griff bereit
Erinnerungen an soviele Morgen zittern in meinem Blut
Soviele Augen, Antlitze, Bedürfnisse, Bettlägerigkeiten, Weggesperrtes
Ich kann längst nicht mehr schlafen, Ruhe, was ist das
Das Fieber des Verdrängten kreist in meinen Adern, will hinaus
Zwei sind gestorben, letzten Monat, was tu ich mit den Blicken

Wird man mich rufen und wohin, zu welchen Katastrophen?

Längst habe ich das Bett verlassen, sitz am Tisch und schreibe
Das Helle strömt hinein von dem Balkon, vertreibt die Hölle
Am Tisch die Telefone schweigen noch. Ich fühle mich bereit
Ruft an, das Leben hat mich schon geflutet, ich atme wieder freier
Mein eigenes Leben trägt mich unergründlich weiter, Angst verfliegt
In allen Ungerechtigkeiten eingebunden zerpflücke ich das Chaos
In jedem menschlichen Kontakt liegt Freiheit auch, so ruft mich, wenn ihr wollt

Wird man mich rufen und wohin, zu welchem tiefen Glück?

6.2.17

Wo schlafen die Kinder im Winter















Wo schlafen die Krähen im Winter
Im weißen Weinberg im Schnee
In den dunklen Bäumen dahinter
Du siehst sie nicht, sie träumen
Von goldenem Weizen und Klee


Wo schlafen die Füchse im Winter
Sie schlafen im schwarzen Wald
Frühling, wann endlich beginnt der
Aus ihrem nasskalten Fuchsbau
Holt Kitzelsonne sie bald

Wo schlafen die Kinder im Winter
Die einen im warmen Bett
Die anderen schlafen vor Zäunen
Unter dünnen Zeltplanen
Auf Inseln oder auf dem Meeresgrund

27.1.17

"Wählt uns, wir sind der Schmiedl"













Hans Peter ich bin pröllnational und du niesslsozialistisch
Sind im Politpolizistensolistenchor gewiss die besten Sänger
Wir drängeln uns jederzeit lautstark vor, selfiegewitzt, narzisstisch
Versperren Österreichs Herz und Tor, bauen jeder unseren Zaun davor
Doch meiner, der ist länger


Wir sind der Raubritter Diener und Knecht
Wir pfeifen auf Ethik und Menschenrecht
Wir buhlen auf Ach und Krach um das Fußvolk vom Strach
Und singen im Falsett, falsch im Duett das alte Bedrohungsliedl
„Wählt uns, wir sind der Schmiedl“


Mein schrecklicher Wolfgang, glaube mir, geh lieber finanzmusizieren
Davon verstehst du sicher mehr als von von der Sicherheit
Du schwitzt pervers Fußfesselfantasien, ich lass stramm grenzaufmarschieren
Dein Notstandsobergrenzenwahn verblasst vor meinem Superettungsrückführungsplan
Mein Herkules ist stets bereit

(Refrain)

Hans Peter, Islamumzingelt wollen wir uns hoffentlich nicht bekriegen
Armee und Polizei vereint doch blutigernst die Geschichte
Wo im 34er-Jahr, im Februar die rote Brut der Gegner war
Ist das furchtbare „Flüchtlingsterrorpack“ heut mit Knüppel und Panzer aus dem Sack
Nur gemeinsam zu besiegen

(Refrain)

Mein armseliger Wolfgang, du weißt doch im Grund
Wie ich, das ist alles Chimäre, es schaffen doch häusliche Gewalt
Verkehrs-, Arbeitsunfälle und Kriege viel mehr Opfer auf diesem Erdenrund
Es geht doch um reinen Stimmenfang durch Angsterzeugung im Rückwärtsgang
Um nichts als den Machterhalt

Wir sind der Raubritter Diener und Knecht
Wir pfeifen auf Ethik und Menschenrecht
Wir buhlen auf Ach und Krach um das Fußvolk vom Strach
Und singen im Falsett, falsch im Duett das alte Bedrohungsliedl
„Wählt uns, wir sind der Schmiedl“

31.12.16

Unbeschwer(ter)t

Beim übergang zum neuen jahr
























Ein letztes Wort zum Jahresende
Wohlklingen soll es und Hoffnung geben
Ich suche es. Wenn ich es nur fände
Wie wäre es mit dem: wir sind noch am Leben


Wir? Wer ist wir? Leichen am Boden
Des Mittelmeeres sicher nicht
Aleppos Kinder? Am Graben die Loden
Meute der Weihnachtseinkaufspflicht

Wir überleben in Ambivalenzen
Unter Tonnen von Blödsinn und Überfluss
Umzäunt und ummauert in erstickenden Grenzen
Gleichzeitig nahe und weit vom Schuss

Ja, wir schießen sogar ohne es zu wissen
Mildtätig gestimmt aus allen Rohren
Uns geht es gut, vielen anderen beschissen
Wir sind halt zum Glück im Wohlstand geboren

Ich gebe auf, es will mir nicht glücken
Ein Neujahrsgedicht der Hoffnung zu reimen
Kann keine vierblättrigen Kleeblätter pflücken
Mit Schweinen mich bei den Schweinen einschleimen

Zu müde, zu traurig zu ohnmächtig bin ich
Kein Böller wird mir die Angst wegschießen
Nichts was ich nicht selber tue, gewinn ich
Meine Zukunft muss ich gestalten, nicht gießen

Saufen und Tanzen, mit Gesängen verdrängen
Den Zustand der Welt, ihr Rasen gen Mauern
Mag ich ebensowenig wie Schunkeln in Mengen
Oder alleine zu Hause trübe versauern

Also, was tun? Was tun wäre eine Idee
Was du kannst, was du liebst, was den Hass nicht „erhärtert“
Was dem Frieden dient…und da finde ich jäh
Das Wort, das ich suchte: „unbeschwer(ter)t“

Heißt unbeschwert und möglichst waffenlos
Sinnvoll, solidarisch, gerecht soll sein das Leben
Um unbeschwer(tert) dieses Ziel anzustreben
Ist keine Mühe zuviel und kein Opfer zu groß

In diesem Sinne: Prosit 2017!

Und danke an alle, die, in welcher Form auch immer, ihr Schärflein zu einer Verbesserung der Lebensumstände und des Zustandes der Welt beitragen.

27.12.16

Andacht

26. Dezember 2016

Ich habe es satt die Welt zu retten
Zu rasseln mit den „Gutmenschenketten“
Den „Wutschmerz“ cool hinauszutwittern
Zu sitzen hinter Facebook-Gittern
Ich hab es satt die Welt zu schwärzen
Anzusabbern mit Wohlstandsschmerzen
Das alles mag ich nimmermehr
Es muss ein echter Wandel her!


Das Leben täglich runterzuleiern
Sich feige zu schmücken mit fremden Eiern
Im Lügenwasserfall zu baden
Bleich zu verfetten im Speck wie die Maden
Die Armen weltweit auszusperren
Und lauthals „stille Nacht“ zu plärren
Das falsche Leben fällt mir schwer
Es muss ein echter Wandel her!

Gedichte schreiben habe ich satt
Es lebe hoch das weiße Blatt
Im Bett von Huren, Mördern, Dieben
Sind wir schon viel zu lang liegen geblieben
Umstellt von Geld, Polizei, Militär
Haben wir lang genug rumgehampelt
Wird auf uns lang genug rumge“trump“elt
Es muss ein echter Wandel her!

Der Friede kommt nicht von alleine
Die Hungernden ernähren nicht Steine
Die ganze Welt zerfällt in Scherben
Klima heizt auf, die Arten sterben
Und wir werden leerer noch als leer
Ertrinken in satter Gleichgültigkeit
Es muss ein echter Wandel her
Wir brauchen eine neue Zeit

Ich habe es satt, dass Pharmalumpen
Ihr Dreckszeug in kranke Menschen pumpen
Dass wir die Sklavenketten nicht spüren
Monsterstädte uns die Luft abschnüren
Mitläufer nicht wissen wem sie nachlaufen
Ihr Leben und das ihrer Kinder verkaufen

Ich habe es satt die Welt nicht zu retten
Zu rasseln mit den „Gutmenschketten“
Den „Wutschmerz“ cool hinauszutwittern
Zu sitzen hinter Facebook-Gittern
Ich hab es satt die Welt zu schwärzen
Anzusabbern mit Wohlstandsschmerzen
Das alles mag ich nimmermehr
Es muss ein echter Wandel her!

Dahindämmerung

25. Dezember 2016

Zuviele, die alleine in ihren Wohnungen sitzen oder liegen, besucht nur von Heimhilfe und Pflege oder Besuchsdienst, die die Kühlschränke mit Lebensmitteln füllen, die Mägen also, selten nur das Herz. Sie dämmern vor sich hin, die alten Menschen in ihren Krankenbetten, im Lehnstuhl, auf dem Leibstuhl, in den meist sauberen Küchen, in sauber gesaugten Wohnungen, oder in Dreckslöchern, wenn sie arm sind, fernab vom Leben, von den Wirklichkeiten, umgeben nur von den eigenen vier Wänden, manchmal Erinnerungen, die wie verlöschende Glut darauf warten, dass sie einer wecke mit einem Hauch von Mitgefühl und echtem Interesse.

Sie sitzen alleine, Stunde um Stunde, bestenfalls von Fernwärme gewärmt. Von Außen ahnt es niemand, nur ein kleines schwarzes Kästchen an Tür oder Wand, ein sogenannter Schlüsselsafe, zeigt Fachkundigen oder sehr Feinfühligen, dass da Menschen eingeschlossen in ihren Wohnungen sitzen oder liegen und warten und wissen nicht worauf, von Angst, oft von Demenz umklammert. Dann und wann sind auch welche unter ihnen, die noch lebendig sind und Witze machen und sich freuen wenn die Türe aufgeht. Trotz alledem warten sie auf ein lebendiges Gegenüber aus der Welt da draußen, die so ferne, undeutlich durch die Vorhänge schimmert. Zu selten kommt die auch zu ihnen, in Form von Interesse, Rede und Gegenrede und animiert ihre Gehirne und Gefühle das alte „Werkel“ wieder anzuwerfen für die Dauer der Heim(be)suchung. Dann, mit dem Verschwinden jener Heimhilfen, PflegerInnen, BesuchsdienstleisterInnen, Menschen in Berufen, die viel zu wenig beachtet und entlohnt, ihren, im besten Falle menschlichen Dienst anbieten, am hilfs- lebens- und liebesbedürftigen Menschen, verschwindet auch meistens die Anima, der Antrieb und der alte, gestrandete Mensch versinkt aufs neue in seiner abgrundtiefen Einsamkeit. Vereinzelung ist das Prinzip und Schicksal, das für soviele alte und kranke Menschen in den so hochgepriesenen Strukturen unserer Wohlfahrtsstädte herrscht; das Abgeschnittensein vom bunten, bewegten Fluss des Lebens.

Unseren Dienst, unsere vorgeschrieben Arbeit haben wir zumeist geleistet, wir Dämmerungs-eindämmermenschen, schlecht bezahlt und kaum gut behandelt von den Dienstleistungsorganisationen für die wir unsere Energien verschwenden, beste Lebenszeit, kaum je wirklich gefördert und gesehen, einfache Helping Hands-Schräubchen im Gewerk der selbst noch aus der Verwaltung und Verwertung der geriatrischen „Abfallhalden“ Nutzen ziehenden und Gewinne schlagenden Pflegeindustrie, als Teil einer immer ungehemmteren Reichtumsanhäufungsmaschinerie, die, die Überreste unserer Sozialgemeinschaften brutal auswaidet und ihrer Innereien entleert; des Zusammenhalts, der Solidarität, der Zuneigung und Wärme eines menschlichen Anderen, eines offenen Gegenübers. An Pflegerobotern und Automatisierung wird in der kapitalistischen Wahnsinnswelt aus Einsparungsgründen bereits weltweit heftig geforscht!!!

Dabei dämmern die Hilfs- und Pflegebedürftigen ohnehin schon die meiste Zeit alleine dahin, berieselt nur mehr von Gratiszeitungen und vom immensen Bildschirm des Flat-Tvs, den ihnen Anverwandte, schlechten Gewissens, als Ersatz für aus Berufsstress- und Zeitmangel fehlende Ansprache und Mitgefühl, mitten ins Wohn oder Schlafzimmer als einzigen Ansprechpartner vor die Nase gesetzt haben. Virtuelle Verblödung, seichte Unterhaltung, Werbelügen und eskalierende Angstmacherei dauerberieselt sie in ihrem wirklichen Elend, in ihren fein in „Schutzhosen“ verpackten Exkrementen und in ihrer Sterbensverlassenheit und steigert ins Unermessliche die ohnehin schon im Überfluss vorhandene Angst ihrer entschwindenden Existenzen.
So dämmern sie dahin und so finde ich sie oft auf und nicht nur ich, auch andere noch viel ungeschützere, weil weniger ausgebildete, KollegInnen, Helfende und Pflegende, die all das Leid, die Sorgen, den Schmerz, die ungeheure Traurigkeit, der sie täglich aufs neue begegnen und die sie, so gut und professionell sie sich auch schützen mögem, so menschlich sie auch seien, unweigerlich mittragen wie ungelebten Lebensstaub von unerfüllten Träumen und Hoffnungen, lähmendem Entsetzen, Krankheit, Leid und Todesangst; mit nach Hause, in einer dünnen, erst unsichtbaren Schicht, die Körper und Seele überzieht und die mit den Jahren sie selber zu entkräften, lähmen und ersticken droht, mit Trauer-und Tränennetzen umspinnt und abgewürgter Wut, wenn sie nicht acht geben auf sich und ihre Nächsten. Da ist nichts zu beschönigen. Verdrängung allerorten. Und keine Supervision, selten ein anerkennendes Wort in den, trotz allem, hierarchischen und kalten Strukturen der Pflegeorganisationen und institutionalisierten Gesundheitsdienste.

Wie unbeachtetes verdrängtes, abgeschnittenes, alterndes Gewebe west unsere vielgepriesene Gesundheitspolitik, die im Vergeich doch noch viel besser ist als in manchen Ländern um uns herum und im Großteil der Welt, im Schatten unserer hyperaktiven, auf ewig jugendlich-modern getrimmten Schein- und Konsumgesellschaft vor sich hin. Von den meisten Jungen und Validen ungewusst. Von Gesundheits-broschüren verschönert, von PolitikerInnen zu stimmbringenden Sonntagsreden aufgemotzt, aber im Grunde, wenn sie nicht tiefgreifend und nachhaltig reformiert wird, wie die von ihr versorgten und betreuten Menschen, zum Verdämmern verdammt.