28.11.15

Streben, sterben, streben...



23. Oktober 2015

Trost?

Was geht, vergeht
Was bleibt wird Blei
Beharrendes verweht
Nur Flüchtiges ist frei


 
8. November 2015

Einfache Freude am Morgen

Strahlender Novembertag
Kahlenberg im blauen Schein
Könnt ein Sommermorgen sein
Einer den ich gerne mag

Irgendwo im Süden dort
Silberstreif der Jugendzeit
Nichts ist jemals gänzlich fort
Lebt in der Gelegenheit

Mutter blinzelt, Vater lacht
Hoch im Kirschbaum, ich als Kind
Hab manch schönen Tag verbracht
Den ich in dem heutigen find

Himmel - „Altedonaublau“
Freude war des Weges Zehr
Wenn ich heut zum Himmel schau
Fühl ich diese Freude sehr
Und ich will davon noch mehr

Eine ewige Wiederkehr


Freitag der 13. November 2015

Paris

In welcher Welt wollen wir leben?
In der Welt der Niedertracht und Verschwendung
Des Neides und der Konkurrenz
Der Übervorteilung und der Herrschaft
Durch nackte, brutale Gewalt
Die die Interessen der Privilegierten
Mit allen Mitteln durchsetzt
Und derweil schweben wir in glitzernden Seifenblasen
Des scheinbar unbeschränkten Konsums
Der grenzenlosen Gier nach mehr
Der allgemeinen Beliebigkeit
Und schamlosen Indifferenz für Ungleichheit
Ausgrenzung, Ungerechtigkeit
Tägliche Verbrechen an der Menschheit
Im Namen unserer neoliberalen Gesellschafts-
Und Werte- und Weltunordnung
So als wären wir allesamt Übermenschen
Aufgeklärt, demokratisch
Und auf Grund der Geburt im Recht
Überall und besser und wertvoller
Als der Bettler in Delhi und die Landlose im Senegal.

Eine spitze Nadel, wie leicht…
Und die Seifenblase platzt
Und wir stellen schockiert und erleichtert fest
Dass wir unbeschadet unserer virtuellen Überheblichkeit
Keinen Deut besser, wichtiger, unverletzlicher, etc. sind
Als die versklavten und ausgebeuteten
Mitmenschen aller Kontinente.
Wir sollten teilen und Kontakt aufnehmen.

17. 11. 15.

Wohin jetzt auch?
Zu neuen Ufern
Fliegen wie Rauch
Aus dunklem Grund
Ins Helle hin, ins Glitzerlicht
Zerstieben und sich neu erfahren
Ausgeben und sich nichts ersparen
Zusammenhalten in den Jahren
Aus Freude, Liebe und Verzicht
Aus Dämmerung zur Morgenstund

Die Richtung, gleich
Ist allerwegen
Doch suchen nur nach Seligkeit
Sich warm zu einem anderen legen
Und doch alleine sein, zu zweit
Auch in der Menge, grade eben
Mitten im Trubel, spürst du gut
Du bist ein Teil vom ganzen Leben
In der unendlichen Menschenflut

Die Traurigkeit stets neu vertreiben
Das Wolkengrau, die Winterzeit
Und stets im Weitergehen bleiben
Gefangener im Sternenleib
Der Seele frei-müd-kühne Schwingen
Segeln voran in Raum und Zeit
Wer weiß, was wird das Morgen bringen
Dein Leben kann nur dir gelingen
Vermeide Fallen, Wirrnis, Schlingen
Sei offen, freundlich und bereit
Trage die Trauer, Zweifel, Sorgen
Verzweifle nicht, lebe den Tag
Vielleicht lacht dir das Glück schon morgen
Vielleicht trifft dich ein Schicksalsschlag

Weine, hab Angst, lass dich ruhig gehen
Antworte nicht auf Hass mit Hass
Es wird die Menschheit auferstehen
Aus Not und Pein, ohne Unterlass

24. November 2014

Streben, sterben, streben...

Ich fühle gut, die Kräfte gehen zu Ende
Ich brauche endlich eine kleine Rast
Wo ich mehr Kraft und neue Ruhe fände
Wo etwas leichter würde meine Last

Es ist ein Taumeln jetzt, zwischen den Pflichten
Unter dem selbstgewählten, hehren Joch
Die Welt ein wenig besser einzurichten
Die Hoffnung schwindet es gelingt mir noch

Ein wenig sich der Leichtigkeit besinnen
Des freien Takts im unbeschwerten Tanz
Und wieder einmal alles neu beginnen
Aus vielen Stücken werden wieder ganz

Sich mehr auf Schönheit, Freuden, Glück besinnen
Dass altes Leben strahlt in neuem Glanz
Was hindert mich daran dem Streben nachzugeben
Weiterzugehen in frischer Eleganz

Die Wintersonne zeichnet Bäumeschatten
Auf strahlend helle, alte Hausfassaden
Was sind wir anderes bloß, als frei-wilde Nomaden
Die mitten in Erstarrung und im Satten
Bloß auf das Wandern in den Tag vergessen hatten

Dass kein Moment so ist und sein wird wie der andere
Es liegt an dir zu sehen und zu begreifen
Neugierig, frei das Leben zu durchstreifen
Drum Mensch, besinne dich, erhebe dich und wandere

Mondauge am Winterhimmel

Der Mond hängt am Himmel oben
Ein Auge, blass und kalt
Das andere ist wohl geschlossen
Oder des Winternachtfischs ungeheure Flossen
Haben sich tintenblau davor geschoben
Jahrmilliardenalt und seine Tränen
Bleiben so ungesehen, doch nicht unvergossen



3.11.15

Abschluss der Magisterarbeit

Liebe Freund)nnen,
Heute, Allerseelen, war das perfekte Datum, um mein sechsjähriges Studium der Psychotherapiewissenschaft an der Sigmund Freud Universität mit der Defensio meiner Magisterarbeit: "Iphigenie-Komplex" - Die Krise in Griechenland und ihre psychosozialen Folgen. Kontexte, Wirkweisen, Katharsis aus gestalttherapeutischer Sicht, erfolgreich abzuschließen. Fertig, im wahrsten Sinn des Wortes, aber auch erleichtert und froh, bedanke ich mich bei allen, die mich dabei unterstützt und begleitet haben und freue mich auf die, nach Abschluss des Studiums, hoffentlich wiedergewonnene "Mehr-Zeit", um wieder etwas intensiver und aktiver an den aktuellen gesellschaftspolitisch notwendigen Auseinandersetzungen teilnehmen zu können.
Alles Liebe,
Willi Stelzhammer

17.10.15

Angesichts des sogenannten Flüchtlingsstromes des europäischen Winters und der Ungerechtigkeiten der Welt



Der Winter kommt, die Kräfte gehen zur Neige
Das Leben plapperte dahin, jetzt zieht es sich zurück
Ein krankes Licht schimmert durch kahle Zweige
Kalt flüsternd beißt der Wind, ich zittere und schweige
Die Blätter fallen vom Baum, keins kehrt auf ihn zurück

Kranksein ist die Entschuldigung nicht tot zu sein
Sturm, Regen, Kälte draußen, kein Dagegenstemmen
Wird mich vorm Tod bewahren, lass ihn ruhig herein
Das Geschwister meines Lebens soll willkommen sein
Mein Haus ist nicht mit Angst und Grenzen abzudämmen

Es ist was ist, es kommt was kommt, ich lass es sein
Schwächelt mein Feuer, geb ich ihm neue Scheite
Rücke zusammen um die Glut, bleib nicht allein
Wird Hals und Brust dir eng, lass ein das Weite
Das unbekannte Andere brauchts zum Glücklichsein

11.10.15

Was wähl ich bloß?

11. Oktober 2015

Kleines Beruhigungsliedchen:
Was wähl ich bloß?


Draußen regnets, ich habe die Wahl
Roter Regenschirm, blauer Schal
Grünes Verhüterli, Kuli in Pink
Schwarzes Loch in dem ich versink
Oder Wien anders, was wähle ich bloß?

Grau ist die Sauce

Schirm, alt und löchrig, ein schlechter Kauf
Schal zu nichts gut, mit dem häng ich mich auf
Will nichts verhüten, eher verteilen
Neoliberal blinkts pink zwischen den Zeilen
Und das andere Wien redet auch nur groß

Grau ist die Sauce

Das Leben lebt nicht in Wahlkabinen
Sitzt in keinen Parteizügen auf starren Schienen
Demokratie ist doch nicht gehirnamputiert
Brav aufs Kreuzerlmachen hin reduziert
Ist Zivilgesellschaft und Zivilcourage
Kennt weder Grenzen noch Chefetage
Lebendige Demokratie ist famos
Keine graue Einheitsbrei-Verarschungssauce

Was wähle ich bloß?

P.S.
Keine Angst, ich geh natürlich trotzdem wählen
Und würde das auch allen anderen empfehlen
Ihr wisst schon, wählen heißt ein Grundrecht erhalten
(Aber leider schon längst nicht mehr mitgestalten)
Doch eins noch, ganz egal was passiert
Dass nur keiner/keine den Mut verliert
Geht ruhig wählen und dann, daheim
Singt diesen alten Kinderreim:

Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine Strache
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt ’der kleine Strache
Seht euch nur den Strache an
wie der Strache tanzen kann!
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine Strache..
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine Strach.
Auf der Mauer, auf der Lauer
Sitzt der kleine Strach.
Seht euch nur den Strach. an,
wie der Strach. tanz kann!
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine Strach.
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine Stra.
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine Stra.
Seht euch nur den Stra. an,
wie der Stra. tan kann!
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine Stra.
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine St.
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine St.
Seht euch nur den St. an,
wie der St. ta kann!
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine St.
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine S.
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine S.
Seht euch nur den S. an,
wie der S. t kann!
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine S.
Auf der Mauer, auf der Lauer
Sitzt der kleine –.
Auf der Mauer, auf der Lauer
Sitzt der kleine –.
Seht euch nur den – an,
wie der – – kann!
Auf der Mauer, auf der Lauer
sitzt der kleine –

so, und jetzt geh ich wählen....

20.7.15

Zum 63er


Schön ist es in Abendhimmelsgründen
Innezuhalten und den langen Tag zu loben
Mit zu ziehen mit den Wolken, droben
Die in immer neuen, wechselnden Gestalten
So wie ich verfliegen und ins Ganze münden.

Schön ist es die vielen Jahre, die wie Blätter sich im Wind bewegen
Gehen zu lassen, fallen zu lassen, auf den warmen Sonnenboden.
Neue werden sich in meinen Wipfeln regen
Schatten spendend warten auf den Sommerregen
Tausend Arten Grün, trotzend den schnellen Moden

Schön ist es, zu spüren seine Nützlichkeiten
Altes Herz in frischen Kapriolen
Immer noch will ich den Mond vom Himmel holen
Allumarmend schlagend mich verbreiten
Zwischen allen denkbar möglichen Polen
Ach, ich will es noch ein Stück begleiten

Unergründlich ist die Welt der Einzelwesen
Unermesslich ist die Last der Stunde
Und doch werden wir gekrönt, jede Sekunde
Die wir liebend leben und die Welt verändernd
Selbst genesen in der Freundesrunde.

Danke allen, die mich ausgehalten haben
Und noch immer nicht ihre Geduld verlieren
In den Bäumen singen Vögel leis das Lied vom großen Schlaf
Danke, Kinder und Geliebte
Ich war euch nicht immer treu und brav,
nur ein Menschentier unter den Menschentieren
das die Liebe aufrecht traf.
Glück und Dank, dass ich euch alle traf.!

13.7.15

GestalTraum

Letzte Erkenntnisse zu Entstehung und Abschluss meiner Mag.-Arbeit

Der Iphigenie-Komplex. Die Krise in Griechenland und ihre psychosozialen Folgen

Es begann mit dem aufsehenerregenden Suizid des Apothekers und mit dem Kontakt zu Despina, meiner Freundin in Athen. Erst nach meiner Feldstudie im Okt., Nov. 2013 vor Ort, in der ich die geballte Wucht der humanitären Katastrophe erkannte, kamen, quasi als unerwartete, nützliche Ergänzung 2014 die Lancet-Studie und andere, die meine qualitative Recherche auch quantitativ bestätigten.

Dann, Anfang 2015, überraschte die Welt die dramatische Zuspitzung der gärenden Problematik mit dem Wahlerfolg und der Regierungsübernahme durch Syriza. Das war in meinem Verständnis anfänglich ein Akt der Würde und der Hoffnung, sozusagen das Opfer Iphigenie, das nicht mehr Opfer bleiben will und sich endlich gegen die unhaltbaren sozialen und gesundheitlichen Zustände empört, und wider Erwarten und alle menschliche und politische Vernunft, das Trauerspiel der hinhaltenden Erpressungs-Verhandlungen der EU, die der berechtigten Empörung keinen Erfolg gönnen will und die auf der toxischen Austeritätspolitik beharrt, erleben muss.

Die große Frage, die ich mir jetzt stelle: Soll ich noch vor dem Höhepunkt der Tragödie und des kathartischen Schlusses meine kleine Mag.-Arbeit abgeben oder noch 1-2000 Jahre menschlicher Entwicklungsgeschichte damit zuwarten?

Das Ich

Ich ist ein Staubkorn, das erblühen kann
Im Nichts des Todes einer alten Welt
Vergänglich ist Ich, doch darauf kommt`s nicht an
Ich ist dem Wundersamen beigesellt

Von Dauer flüchtig, von Bestimmung vage
Schwebt Ich, vergehend, ohne Sicherheit
Und Ich sucht nicht nach Antwort, nach der Frage
Was ist das Wesen der Lebendigkeit

Ist ausgeliefert soviel unbekanntem Schrecken
Das unbekannte Selbst liegt ständig auf der Lauer
Es forscht nach Lust und Freude, Wut und Trauer
Und kann das „Wesendliche“ nicht entdecken

Ich ist ganz froh über die kleinste Dauer
Ein guter Reim verzaubert Ichens Welt
Ich wünschte, ich empfände es genauer
Was es im Grunde hier am Leben hält

Wir wollen leben, hier, im Augenblick
An jeder Stelle dieser alten Kugel
Ein jeder einzelne ist seine eigene Weltfabrik
Heute ist letzter Schultag hier in Österreich
Und das liegt in Europa und das ist ein Begriff
Und ein Konstrukt, ganz wie ein Flüchtlingsschiff
Das grad an einem Riff zerschellt, in Griechenland
An einer gleichgültigen und unwirklichenWand
Gemacht aus „Hausverstand“ und Geltungssucht
Bequemlichkeit, Gier, Arroganz, Angst und Routine
Europa ist auf einer „Lemming-Schiene“
In Richtung Einbahnsackgasse der Weltgeschichte.
Da tönt ein NEIN des Ichs vielleicht zum letzten Mal
Die Meere sind zum Untergang verurteilt
Die Luft wird knapp, das Wasser wird vergiftet
Europa, das im Malstrom abwärts driftet
Wird bald vergangen sein und wird es noch so
Schönheitsoperiert, face(book)geliftet
Es transformiert sehr schwer zur Gottheit
Sich ein Euro- Schein.
Bleibt Ich wieder allein?


4. Juli 2015

Sternsuppengefühl

Der Himmel hat sein Blau nie ausgeschrieben
Die Meere löscht kein Löschpapier
Und doch bin ich kaum je so leer geblieben
Von Dir.

Ich fühle mich wie am Blatt ein Tropfen
Bereit zu fallen auf den Grund
Ich fühle mein Herz auf einmal nicht mehr klopfen
Nur bitteren Geschmack im Mund.

Ich fühle mich wie ein Zirkusnetz
Ganz ohne Akrobat
Ein böses Sicherheitsgesetz
Ganz ohne Attentat

Ich fühle mich leer und schwer und alt
Wie eine Sternenschnuppe
Die fällt und fällt und bald verglüht
In Funkelheit sich ganz versprüht
Als Sternchen in der Suppe


GestalTraum

Widerstand leisten
Gegen das Alter
Gegen den Tod
Gegen das Absterben der Zellen
Gegen das Abendrot


12. Juli 2015

Wenn ich schreibe

Wenn ich schreibe – der Duft von Gestern
Von Küssen unterm Vollmond fremder Städte
Von Nächten voller Lieder, Liebe, Lachen
Voll Sehnsucht nach den ungeborenen Schwestern
Nach Vater und dem roten, fliegenden Drachen
Und nach der Mutter, an deren Brust ich mich bette

Wenn ich schreibe – wird alles wieder wach
Die Kinder, die ich viel zu oft versäumte
Die Liebe, die ich nicht zu leben wusste
Und alle Stärke wird auf einmal schwach
Weich wird der Seele allzuharte Kruste
Und alles wird lebendig, was ich je verträumte

Wenn ich schreibe, öffnen sich die Grenzen
Wird Zeit zum Raum, nach allen Seiten offen
Zum Fluss in dem ich frei und lustvoll treibe
Als könnte ich das Versäumte noch ergänzen
Was war, was ist, was wird, lebt, wenn ich schreibe
Voll Zweifel, Ängsten, Freude, Lust und Hoffen.

29.6.15

Solidarität mit Griechenland





 

Unfassbar wie die Wahrheiten verdreht werden und wie in einem gar nicht so stillen Putsch, mit einem begleitenden schrillen, medialen, Putschkonzert die unbequeme und für die EU-Eliten bedrohliche Syriza Regierung, die demokratisch gewählt wurde und deren Haltung gegen die Austeritätspolitik eine breite Unterstützung durch die griechische Bevölkerung erfährt, einfach durch brutale Einmischung, Erpressung und völlig undemokratischer institutioneller und orchstrierter medialer Gewalt durch Mobbing, gezielte Desinformation, Verleumdung und Verhetzung  in Misskredit gebracht, destabilisiert, gestürzt werden soll. 

Verkauft wird das Ganze als großzügiges Angebot, in Wahrheit handelt es sich bei den Vorschlägen um "mehr of the same" an tödlichem Austeritätsgift (Stiglitz, Krugman...), an dem die Menschen schon seit Beginn der Krise leiden, das die Suizidrate um mehr als 45% in die Höhe getrieben, die HIV-Infektionsrate, die Kindersterblichkeit, die Wohnungslosigkeit drastisch erhöht hat und mehr als 40% der Bevölkerung in einen unversicherten Zustand gebracht, 25% Arbeitslosigkeit und 50% Jugendarbeitslosigkeit und einen gesundheitspolitischen und psychosozialen Ausnahmezustand produziert hat. 

Mit diesem "großzügigen Angebot", das die politische Intelligenz, nicht nur der GriechInnen verhöhnt, soll die unbequeme griechische  Regierung vorgeführt, verhöhnt und letztlich zum Aufgeben oder zum Rücktritt getrieben werden, um damit auch allen anderen kritischen Bewegungen der europäischen Krisenländer (aber auch in Mittel- und Nordeuropa ist diese Krise ja auch schon, wenn auch noch in etwas abgemildeter Form angekommen) einzuschüchtern und drastisch vor Augen zu führen, dass Alternativen und Wege abseits des neoliberalen Gesellschafts- und Wirtschaftsmodells keine Chance haben und zum Scheitern verurteilt sind. 

Die Hoffnungen auf eine andere, menschengerechtere, sozialere, innovative, demokratische Politik sollen erbarmungslos, mit allen Mitteln, zerstört werden. In der Form anders, in der Intention ähnlich wie seinerzeit in Chile, als Allendes Regierung der Frente Popular militärisch weggeputscht wurde, aber offensichtlich im Grunde ohne jede Rücksicht auf Verluste, in einem Land, in dem vor noch nicht allzulanger Zeit eine faschistische Junta herrschte, faschistische und rechtsextreme Potenziale in vielen Ländern auf ihre Chance warten und in einer brandgefährlichen Situation der internationalen Instabilität und des kriegerischen Säbelrasselns.

In dieser gefährlichen und gespannten Situation braucht Griechenland das Engagement und die Solidarität aller europäischen DemokratInnen, die das Friedensprojekt Europa lebendig erhalten und andere Optionen der politischen Gestaltung, auch in ihrem ureigensten Interesse, offen halten wollen. 

Deshalb: Oxi zu dieser Austeritäts- und Unterwerfungspolitik! Ein anderes Europa ist möglich!

20.6.15

Auf zur "Lichtermeerheit"!




 

Für eine globale, demokratische, inklusive „Lichtermeerheit“

Es ist schon erstaunlich, dass Demokratie, demokratische Politik und Wirtschaft, aus dem biopsychosozialen Gesundheits- und Krankheitsbild-Verständnisansatz bis heute weitgehend ausgeschlossen sind. Oder kennt ihr viele PsychotherapeutInnen, Ärztinnen oder VertreterInnen anderer Gesundheitsberufe, die sich aktiv in die aktuellen Gesellschaftsproblematiken einbringen, die die Menschen zunehmend verunsichern, verstören und aus dem Lot bringen und die soziale Kohäsion zerstören? Sollten sie aber!

Demokratie – Herrschaft des Volkes, die dem Menschen (allen Menschen) die in Gesellschaft leben, ein gedeihliches Miteinander sichern soll, ist wie der individuelle Gesundheitszustand, nie etwas ein für allemal gegebenes und gesichertes Grundsätzliches, Selbstverständliches, muss permanent gepflegt, behütet, gefördert und vor allem bewusst und öffentlich erkennbar angestrebt und gegen jedwede populistische, schreckliche Vereinfachung (egal aus welcher Richtung sie kommen mag), oder gar Infragestellung, offensiv verteidigt, gestärkt, an die Veränderungen der gesellschaftlichen Entwicklungen adaptiert, ständig verbessert und ausgebaut werden. Und zwar nicht nur von den überforderten „ExpertInnen“, PolitikerInnen, und deren (nicht alle!) medialen WasserträgerInnen, sondern von jeder, jedem einzelnen von uns. Demokratie ist Prozess und gesundheitlich unverzichtbares Allgemeingut.

Demokratie beinhaltet grundlegende moralische, ethische, bestmöglichst in der Verfassung abgesicherte Werte wie Achtung der Menschenrechte, Einhaltung der Grundfreiheiten, Recht auf freie Meinungsäußerung und politische Organisation, freies Wahlrecht, freie Glaubenszugehörigkeit, Recht auf Arbeit, Wohnen, Bildung, Gesundheit, Glück, Respekt und Schutz des Leibes und des Lebens, des Schutzes vor Verfolgung jeder Art, das Recht auf individuelle, freie Lebensgestaltung, Beziehung und Sexualität und eine gleiche, gültige, wahrgenommene Stimme, gleich welcher Herkunft und welchen Geschlechts man/frau/kind auch sein möge. (Es gab übrigens einmal sogar ein Volksbegehren für die Aufnahme des Sozialstaats in der österreichischen Bundesverfassung. Erinnert sich wer dran?). Rechte, die keinesfalls, auch nicht per Mehrheitsentscheidung, auch nicht in direktdemokratischen Verfahren, ausgehebelt werden dürfen. Demokratie darf nie gegen Menschenrechte eingesetzt werden, denn dann ist sie keine mehr. Das sollte uns bewusst sein und das ist die rote, oder vielmehr bunte Linie, die in keinem Fall überschritten werden darf.

Erstaunlich wie wenig in der Ätiopathogenese von massenpsychischen Störungen und gewalttätigen Entgleisungszuständen, auch wenn sie im Alltagsgewand des „banalen Bösen“, wie jetzt leider immer häufiger, daherkommen und als "normale politische Gestaltungsmittel" dargestellt werden (Krieg, Revolutionen, Pogrome, politische und wirtschaftliche willkürliche Herrschaftsentscheidungen und strukturell gewaltanwendende Machtausübung mit oft verheerenden, Demokratie und Menschenrechte verletzende Folgen, wie in Griechenland oder anderen strukturschwachen süd-oder osteuropäischen Ländern, gar nicht zu reden von den sog. "Entwicklungsländern" der sog. 3. Welt), die Demokratie als soziales und sozialpsychologisch leitendes „Gesundheitskriterium“ einer Gesellschaft vorkommt und auch als solches wahrgenommen und behandelt wird und eben die tragende Rolle spielt, die sie zweifelsohne seit ihrer Erfindung als politisches Gleichgewichtsinstrument mit befriedender Ausgleichsfunktion divergierender, konfliktueller Interessensgruppen, hat, bezw. haben sollte. Im Gegenteil, wir erleben eine Abnützung und Abwertung dieses Begriffes, denn, allen oben genannten Sinnes entlert, wird er von den globalen Machthabern oft nur als Tarnung für aggressive Wirtschaftsexpansion, Ausbeutung, Aufrüstung, Angriffs- und Raubkriege, zur Herrschaftssicherung der Machteliten verwendet.

Es ist Zeit den Begriff der Demokratie zu rehabilitieren, ihre tatsächliche Bedeutung, angesichts der profunden, systemischen Krise weltweit neu und breit zu diskutieren, mit aktuellen Inhalten und Leben zu füllen, auf die anderen, auch die Andersdenkenden freundlich und kritisch zuzugehen und die Mitmenschen offen einzuladen den vernünftigen Weg zu einer globalen, demokratischen, friedlichen, inklusiven und qualitätsvollen „Lichtermeerheit“ auf der Höhe der Probleme unserer Zeit einzuschlagen. Dass Lichtermeerheiten möglich und notwendig sind, haben wir, in hellen, partikularen Augenblicken der Zivilcourage, des Anteilnehmens und des persönlichen Engagements, in der Geschichte schon des öfteren erlebt. Auch hier bei uns. Eine andere Welt als die aktuelle ist denkbar und daher möglich. Ein anderes Europa, ein anderes Griechenland, ein anderes Österreich und sogar ein anderes Burgenland.