15.6.15

Tag, Vater!



14. Juni 2015

Wir sehnen uns alle nach dem Vater, der uns in die Arme nimmt und beschützt und verspricht: „Das wird schon wieder.“ Ich habe so einen Vater gehabt. Freundlich, tolerant, weltoffen, verständnisvoll. Vielleicht zu verständnisvoll, was ich ihm, irgendwie auch in der 68er Zeit, als Pubertät und soziales Aufbegehren Hand in Hand gingen, übertrieben vorwarf, was ihn sicherlich kränkte.

Heute, bei allem was in der Welt nicht mehr heil ist und ins Trudeln gekommen ist, weiß ich, dass mein Vater, der mir mit 16 so weich und schwach und unengagiert und angepasst vorkam, jedenfalls weit mehr das Bild vom „starken Vater“, dem der antifaschistische Großvater vordergründig viel mehr entsprach, erfüllen konnte, eigentlich in all seiner Toleranz und offensichtlichen Überfordertheit, ehrlicher und mutiger war, als so mancher großsprecherische Angeber und Anführer.

Ich sitze heute, mit bald 63 Jahren, in einem Wiener Kaffehaus, genieße die kurze Arbeitspause und denke an ihn zurück, in Liebe und Selbstkritik und auch voll von einer großen Traurigkeit und doch aber auch Stärke. Und in beiden ist er da, lebendig, begleitet mich, stützend und mit einer nicht zu tilgenden Narbe und Geborgenheit vom Vorbild, mein Leben lang. Das weiß ich und dafür danke ich ihm.

13.6.15

Sekundengelse...



Letzter Gedanke vor dem Einschlafen…

Das Wesentliche
Hat keinen Namen
Es ist aus sich heraus

Erster Gedanke nach dem Erwachen…

Wir sind was wir waren
Wir werden was wir sind
Trotz all diesen Jahren
Ein suchendes Kind


13. Juni 2015

Für mich, Sekundengelse…
(Türkenschanzpark)

Ein grünes Funkeln aus dem Teich und aus den Kronen
Sonnenlichtglitzern in den Blätterdolden
Die Schatten blau und schwarz, tief, ölig, violett
Smaragdgrüne Libellenflügel, Entenhälse

Da, mittendrin, darf ich für Augenblicke wohnen
Mich laben an Natur, der immer holden
Inmitten dieser Pracht ruhe ich sacht
Im Feldherrenbett der Alltagsschlacht

Darf alles sein, Momentelang
Die Welt hält kurz Atem und Rollen an
Ist nur mehr Licht und Klang
Für mich, Sekundengelse…


Und was wir sind

Ich höre nicht auf, auf der Klaviatur des Seins
Zu lernen was wir sind
Unter den unbegreiflichen Sternen
Ein ewig suchendes, trotziges
Verletzliches Kind
Das möchte frei sein und geliebt, fliegen
Und geborgen, ohne Sorgen
Immer neues Leben lernen.
Zwischen den Menschenkriegen

11.6.15

handlungsbedarf

die tiefe politische und demokratische krise in österreich tritt nunmehr deutlich zutage. wen kann das wundern? zu lange schon können in den verknöcherten und verzopften parteistrukturen nur schleimscheißer, mitläufer und jasager aufsteigen, zu lange schon wird um die wichtigen probleme herumgeredet, gibt es keinen wirklichen, kritischen diskurs und dialog, echten kontakt und ehrlich ausgetragenen konflikt, wird politische verantwortung und gestaltung delegiert, regiert die mediale verblödung und gesinnungslosigkeit (bis auf wenige, löbliche ausnahmen), sind andere, zweifellos vorhandene meinungen ausgeschlossen oder nicht gefragt, verpufft die waldheimzeit der so lange hinausgezögerten aufarbeitung unserer nationalsozialistischen geschichte im machthickhack der parteitaktiken, verpufft im grunde jeglicher geist der aufklärung und der mutigen, menschenrechtskonformen grundhaltungen im beliebigen, falschen geschwätz von pseudopolitik im run des politischen führungspersonals beinahe jedeweder couleur nach persönlicher macht.

aber auch da gilt, dass die da oben eben nur so weit versagen und verraten können, wie wir da unten, an der seite oder am rande jedenfalls außerhalb der parteigatter und parteivergatterer stehenden, (die zivilgesellschaft, die einfachen bürgerInnen, die initiativen und spontanzusammenschlüsse, aber auch die vielen denkenden individuen), sie gewähren lassen. Ich denke, dass die derzeitige, politische kopf- und orientierungslosigkeit, aufgebauscht durch die verengte mediale öffentlichkeit nur ein begrenztes stimmungsbild von dem zustand liefert in dem sich die menschen in ö. und europa befinden.

ich denke wir reagieren alle viel zu hektisch (ich will mich da nicht ausnehmen) in ausgefahrenen denk- und haltungsmustern, sind sehr flott in den schuldzuweisungen und gegenseitigen "zerfleischungen", reißen zu schnell schwer überwindbare gräben auf, verhaftet dem alten feindbild- und lagerdenken. ich meine, dass viele menschen in keiner weise damit übereinstimmen, wie karrieregeile parteiapparatschiks im moment ihre überzeugungen öfter wechseln als ihre traurigen gewohnheiten. ich denke wir müssen bei aller harten meinungskonfrontation immer den blick auf mögliche, notwendige, gemeinsame lösungen frei behalten, auch den zurecht kritisierten die möglichkeit zur besinnung und zur umkehr und einsicht bieten. wir sollten nicht in den jargon der hetzer hasser und rassisten verfallen und doch mutig die dinge beim namen nennen.

es braucht neben tiefgreifenden, radikalen politischen und wirtschaftlichen reformen auch personelle und strukturelle veränderungen an den spitzen der handelnden parteien möglichst qualifizierte, kompetente und ethisch-moralisch gefestigte menschen, die geignet sind in einer zeit der krise und des globalen umbruchs, glaubwürdig und nachvollziehbar ansichten, meinungen, haltungen und letztlich auch politiken zu vertreten und ihre, ihren funktionen eigentlich eingeschriebenen, vorbildfunktionen zu erfüllen.

dies ist derzeit dezidiert nicht der fall und es gibt handlungsbedarf!

diese menschen gibt es. es sind nicht nur die, die jetzt bereits reagieren, aufrufe schreiben und protestieren. die meisten von ihnen sind angewidert und finden sich bei jenen, die sich bisher ihrer stimme enthalten haben. wir sollten den taktierern des machterhalts nicht auf den leim gehen, diesem opportunistischen wind, der übers meer bläst. die wellen des kreativen widerstandes und der notwendigen erneuerung formieren sich langsam, bauen sich nur allmählich auf, (manchmal auch schneller) aber sie sind es, die unaufhaltsam den vermeintlich unabänderlichen lauf der geschichte verändern.

strache? - dass ich nicht lache!
bleiben wir am boden. wir sind schon mit anderen fertig geworden!

4.6.15

nein zu rot/blau!

 

das bitte schlägt dem (uhudler)fass den boden aus: norbert darabos in Ö1, heute morgen, hat kein problem mit rotblau im burgenland. die (sozial)demokratie hat ein problem mit ihm und einer parteiführung, die nicht in der lage ist parteitagsbeschlüsse umzusetzen und ungeheuren schaden nicht nur für ihre partei, sondern für das ganze land und darüber hinaus abzuwenden. das kann und will ich nicht glauben und auch keinesfalls hinnehmen.

häupl hat handlungsbedarf und auch all diejenigen, die 1993 und 2000 gegen menschenverachtung, rassismus, rechtsextremismus aufgestanden und auf die straße gegangen sind. wo sind die stellungnahmen des unterstützungskomitees für diesen unsäglichen niessl. bis auf peter wagner habe ich bisher noch keine prominente stimme vernommen. fürchten auch sie um den futtertrog und die subventionsflüsse? sie werden ohnehin versiegen mit dieser bagage im regierungsboot.

in ganz europa werden, auf grund der krise und handlungsunfähiger und/oder reformunwilliger nationalregierungen, die vor allem der wirtschaft und weniger dem wohl ihrer bevölkerungen verpflichtet sind, nationalistische, fremdenfeindliche, rechtsextreme kräfte gestärkt - goldene morgenröte, marie le pen...und nun kommt ausgerechnet aus österreich wieder eine salonfähigmachung eben dieser ewig gestrigen? die heutige fpö in der aktuellen internationalen "krisendynamik" ist keinesfalls mit der peter fpö vergleichbar mit der kreisky seinerzeit den ersten tabubruch beging. die internationale lage ist äußerst gespannt und dieser politische schwachsinn aus dem schönen burgenland muss beendet werden ehe er noch begonnen hat.

kurskorrektur herr bürgermeister häupl und herr bundeskanzler faymann - leadership zeigen, auch die altvorderen, herr vranitzky, einem, scholten etc. da will ein politischer analphabet gegen alle basisbeschlüsse und den gesunden politischen menschenverstand verhängnisvolle geschichte schreiben und den schüsselungeist mit all seinen katastrophalen folgen (hypodesaster, kärnten wirtschaftlich ruiniert...) im nachhinein durch diese koalition rechtfertigen und holt gerade vor den wichtigen wien-wahlen diesen geist wieder aus der schüssel. lopatka in der steiermark zündelt ja schon wieder und django putzt auf bundesebene schon die colts.

niessl verspielt die reste (sozial)demokratischer, antifaschistischer glaubwürdigkeit dieser doch geschichtlich verdienstvollen partei. drehts euch nicht allen den magen um? worauf wartet ihr, warten wir alle diesen pannonischen blindgängerkurs zu stoppen?
 

herr häupl und faymann: haltung und glaubwürdigkeit stehen auf dem prüfstand und die wien- und dann die bundeswahlen stehen vor der tür. viel steht auf dem spiel. handelt!

22.5.15

EINLADUNG

Sehr gehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

Ich schicke Ihnen/ Dir im Anhang die Einladung zur Konferenz:

Impacts of the Economic Crisis on the Psycho-Social Field – Being Prepared
for the Future

die am Fr. 29.05. & Sa. 30.05.2015 an der Sigmund Freud Universität stattfinden wird und an der, unter anderen, auch der griechische Psychoanalytiker Stelios Stylianidis, Professor an der Panteion Universität Athen und wissenschaftlicher Direktor der Vereinigung für Regionalentwicklung und Psychische Gesundheit EPAPSY, teilnehmen wird.

In Anbetracht der dramatischen Entwicklungen in Griechenland, gibt es bei dieser Konferenz, neben wissenschaftlichen Informationen auch Raum zur Begegnung mit Menschen, die dort tagtäglich versuchen dem psychosozialen Ausnahmezustand mit bescheidenen Mitteln, Kreativität und großem Engagement die Stirne zu bieten.

Fr. 29., um 20:30, findet eine Friendship-Party (Reception drinks & discussion) statt,
an der Julie Anastassiou und Eleni TsampouriRebetiko und andere griechische Lieder über Freude und Leid“ zum Besten geben werden.

Über Ihre/Deine Teilnahme an der Konferenz würde ich mich sehr freuen
und bitte Sie/Dich die Einladung an interessierte Menschen weiterzuschicken.

Mit freundlichen Grüßen, alles Liebe,

Willi Stelzhammer

Den detaillierten Einladungstext und das Programm findest Du/finden Sie unter:
http://www.sfu.ac.at/data/Conference_Information_May2015.pdf

1.5.15

Der schlechte Ruf



(Frei übersetzt, nach Brassens, passend zur Qualität dieses 1. Mai 2015.
Achtung, Brassens war ein anarchistischer, französischer Chansonnier im letzten Jahrhundert des letzten Jahrtausends und seine Texte waren Pastisgeschwängert, Gauloiseverqualmt, ungegendert und politisch nicht immer korrekt, aber frei und m.E. sehr stimmig und zutreffend, in einer Zeit, die auf allen Ebenen immer dringender Sündenböcke braucht)

Hier im Dorf, ganz anspruchslos
Werd` ich den schlechten Ruf nicht los
Ob ich mich abmüh` oder versteck
Man hält mich für den letzten Dreck
Und dabei tu ich doch niemandem was an
Folg` nur meinem Weg, ganz als kleiner Mann
Aber die Spießbürger mögen nicht die
Die einen anderen Weg geh`n als sie
Nein, die Spießbürger mögen nicht die
Die einen anderen Weg geh`n als sie.
Man lässt an mir kein gutes Haar
Außer die Stummen, das ist doch klar

Am Tag der Arbeit, am ersten Mai
Bleib ich im Bett und schnarch mich frei
Die Musik, die im Gleichschritt marschiert
Hat mich noch nie interessiert
Dabei kann man doch nicht sagen, dass ich störe
Wenn ich einfach nicht auf Fanfaren höre
Aber die Spießbürger mögen nicht die
Die einen anderen Weg geh`n als sie
Nein, die Spießbürger mögen nicht die
Die einen anderen Weg geh`n als sie.
Mit Fingern zeigt auf mich die Schar
Außer die Einarmigen, das ist doch klar

Kreuze ich einen Dieb im Pech
Verfolgt von einem mit Sheriff-Blech
Dem stell`ich das Bein, ich steh dazu
Am Hintern landet der, im Nu`
Weshalb sollte sich darüber wer beklagen
Rett` nur einem kleinen Apfeldieb den Kragen
Aber die Spießbürger mögen nicht die
Die einen anderen Weg geh`n als sie
Nein, die Spießbürger mögen nicht die
Die einen anderen Weg geh`n als sie.
Auf mich stürzt sich die Meute gar
Außer die Einbeinigen, das ist doch klar

Es braucht keinen Heiligenschein
Zu ahnen was mit mir wird sein
Finden ein Seil sie, das ihnen passt
Hängen sie mich an den nächsten Ast
Dabei will ich wirklich nicht das Schlechte aufrühr`n
Einfach nur die Wege geh`n, die nicht nach Rom führ`n
Aber die Spießbürger mögen nicht die
Die einen anderen Weg geh`n als sie
Nein, die Spießbürger mögen nicht die
Die einen anderen Weg geh`n als sie.
Sie sehen mich hängen, - Bürgerpflicht
Außer die Blinden, natürlich nicht.