10.6.12

An der Donau


  1. Juni 2012
Komm mit, sagt der Fluss
Bleib, sage ich
und die Wolke lächelt
Die Venus wanderte
heute durch die Sonne
und blutrote Kirschen
färben unsere Hände
Der Wind erzählt
eine Geschichte
die ich schon weiß
Der Strom flüstert
ein Geheimnis für alle
Ich spüre die Seele
in mir und um mich
und die schwarzen Steine
schweigen lächelnd
Eine Peruanerin
die mit den Augen singt
schlägt mit einem Stöckchen
einen Takt
und wundert sich
Die beiden Enden
des Flusses
versinken im Abend
Ein Schleppschiff schickt
uns laut klatschende Wellen
Was sitzt ihr,
kommt mit in die Nacht
Noch ist die Reise
nicht zu Ende

28.4.12

Frühlingsgefühl und Kinderlied


FREITAG, 27. APRIL 2012

Frühlingsgefühl

Der süße Duft
von Mai und Ewigkeit
von Liebe, Blüten,
Wachsen und Gedeihen
Die grüne, goldene Welt
die uns ganz sanft in Auge
und Seele fällt
wenn die Natur uns streift
mit ihrem neuen Kleid
aus zarten Spitzen
und erfüllter Dankbarkeit
Und alles um uns
löst und öffnet sich
und bittet lächelnd
um Glück, Gnade und Verzeihen.
Was für ein Luxus
Nichts zu besitzen
einfach zu sein

  1. April 201
Meinen depressiven Geschwistern
Ein Kinderlied

Wir sind der Sonne Kinder nur
Geschwisterlich ist die Natur
Und Liebe ist die Energie
Die alles das zusammen hält
Es ist egal, benenne sie
Wies dir beliebt
Sag Gott, sag nichts
Wir sind die Kinder dieser Welt
Und unser Glück ist Fantasie
Mit allen Sinnen – Fühlen, Denken
Und Freude haben, Freude schenken
Das Kind in uns bleibt bis zum Ende
Sei nett zu ihm, reich ihm die Hände
Beachte es und nimm es ernst
Dass du das Kind sein nie verlernst
Das wünsch ich dir, mein Gegenüber
Leb Gleichheit in Verschiedenheit
Und stülp dich niemand Anderem drüber
Ein jedes Ich ist auch ein Du
Sei Mensch und finde deine Ruh
Sei Mensch und finde deinen Platz
Und sei dir selbst dein größter Schatz
Den du verschenkst ohne Bedauern
Du kannst nicht lieben ohne zu Trauern
Du kannst nicht leben ohne zu Trauern
Trau dich!

8.4.12

Es ist was

Poetisches fingerfood während der Erich Fried-Lesung von Frank Hoffmann, begleitet von mg3, im Novomatic-Saal, am 31. 3. 2012.

Erich

Wie sehr solltest du her
klein, bebrillt, witzig und
mit einem Herzen
aus Zunge und Liebe

In diesem betuchten Haus
wärst du ein Dorn
im Portemonnaie
wo sonst das Herz sitzt

Du wärst der Kontrapunkt
in ausgebeulten Hosen
mit an den Ellenbogen
lederverstärktem Tweed-Sakko
Zeitenblick, kein Seitenblick
ohne Film, ohne Tam tam, ohne Pomp
einfach du, aber mit deiner Liebe
zur Wahrheit und Ehrlichkeit
und Einfachheit.

Wie sehr du fehlst
in diesem eigenartigen
leeren Getöse
Du, mit der Schmeichelstimme
des Haus- und Hof-Haberers?

Wie sehr du fehlst
Und wärst trotzdem erfreut,
dass Gedichte und Gedanken
erklingen.

Unentseelbare Seele
eines kleinen, aufmüpfigen
Liebhabers der treffenden
Worte

Freude und Liebe

Wir brauchen keine
Nachmacher und Vormacher
Wir brauchen keine Macher

Wenn die Macher
ewig so weitermachen
droht dem Leben Ungemach
Wir brauchen Freude
Wir brauchen Liebe

Nichts was machbar wäre
Alles was ist, sich ereignet
Begegnung in der Komplexität
des Zufalls

Wir brauchen
Freude und Liebe
und Zärtlichkeit
Nichts eingemachtes
Nichts ausgemachtes
Einfach was ist.

Tun was wir nicht können

Wir können die Jahre nicht halten
Wir können nicht glätten die Falten
Wir halten den Fluss nicht auf
Wir können ihm nicht entsteigen
Wir können uns nicht verschweigen
Wir nehmen seinen Lauf.

Die Einsamkeit des Verschwindens
ist nicht mit Worten zu bemänteln
das Sterben nicht zu besänftigen
Der Tod ist nicht süß

Und doch verbannen wir die Angst
mit Gedichten aus Gesichtern
die verschwinden


Liebe

Nie wieder erblüht sie
Nie wieder die selbe
Und doch Liebe

Wir vergehen
und gehen ihr nach
und erreichen sie nie

Und doch Liebe
in den Augensternen
des Anderen
in den Tränen
und im Stöhnen
unter wechselnden Himmeln
Und immer der selbe

Und immer die
immer nie Liebe



Beg-Ähren

Ach wie die Traurigkeit
hinter dem Staudamm
vor dem Kraftwerk sich aufstaut
zu gigantischer Kraft

Wie die Turbinen
des Frühlings erblühen
und pflügen der Tage
Gezeiten

Ach wie die Traurigkeit
sich Bahn bricht und übertritt
Und aus dem Weizen meiner Haut
werden Ähren im Sturm
und ich will dich liebkosen

Hochzeit

Die Hochzeit der Menschen
liegt noch weit vor uns in der Ferne
Aber die Ringe tragen wir schon
und die Schuhe lasst uns putzen
und schmücken die Tage
mit Lampions aus Mond und Sonne
und Meerschaum und Traum

Die Hochzeit der Menschen
Liegt noch vor uns
Aber tanz den Hochzeitstanz
den können wir schon
beginnen

Was uns zusammen hält

Was hält uns noch zusammen
Der Kitt der vergangenen Zeit
Die Seife der Sorgen
Die Schalen der Hoffnungen
Die Häute der Sehnsucht
Der Kleister der ungerührten
Anpassung

Was hält uns zusammen
Der Druck von Außen
Die Leere von Innen
Was hält uns zusammen
Die Angst vor dem Verlust
Die Lebenslust


Wie gut

Du bist noch da
Wie gut das ist, dass du da bist
Ich bin noch da
Wie gut das ist, dass ich noch da bin

Wir berühren uns ohne uns zu berühren
Wir fühlen uns ohne uns zu fühlen
Wir sind da. Wir sind einander nah

Wie gut das ist, dass wir da sind
und uns nah sind
Wie gut das ist, zu wissen, dass es dich gibt
Wie gut das ist zu wissen
wie das ist, wenn man/frau liebt

Quadrat

Unvergesslich, d ieser leichte Augenblick
in diesem weltentrückten Quadrat aus Blüten
in dem wir nackt frühstückten

Mitten im Nabel der Welt
werde ich ewig mit dir liegen und schweben
mein ganzes Leben lang
in diesem mittagshellen, duftenden Bett, mit dir
Mit dir

28.3.12

Genesungsspaziergang


  1. März 2012
Genesungsspaziergang

Zur Silberader meines Lebens
zum großen Fluss zieht es mich hin.
zum Frühlingsfest des großen Gebens
zu fühlen - nichts ist je vergebens -
nach jedem Ende kommt Beginn.

Schneeglöckchen läuten in den Gärten
Krokusse brechen durch die Erde
Hundegebell und Vogelklang
Entspannung erregt die Menschenherde
auf ihrem ersten Frühlingsgang
und über allem klingt: es werde!

Der Fluss trägt gelbe Ruderboote,
im ewigen Takt, wie amüsiert
erstaunlich, dass so mancher Tote
mit uns im Frühlingswind flaniert.

Was ändert sich aus welchem Grunde
wer weckt die Welt aus finsterem Schlummer
Tragen nicht Kranke und Gesunde
ein wenig leichter ihren Kummer
im Frühlingslicht? Nur Illusion?
Die Hand aufs Herz – ich glaub es schon.

Schweig Hirn lasse die Sinne trinken
den Frühlingsnachmittagszaubertrank
genießen Duft, Bild und Empfindung
und hören die Seele allen Seins
Fühl dich mit allem in Verbindung
und lasse alles in dich sinken
und geh in allem auf, - werd eins

Krank und gesund – wo ist die Grenze
Normal – Verrückt bestimmt die Norm
Gegen des Frühlings Freudentänze
hilft Regel nicht und Uniform

Und herrschen auch die Lebensdiebe
mit Eigennutz und Übermacht
stärker als sie ist stets die Liebe
die ihnen in die Augen lacht

Und wollen sie uns tot besitzen
entseelen, auseinanderzählen
missbrauchen, peinigen und quälen
auch wenn sie uns im Nacken sitzen

Der Mensch ist ein soziales Wesen
sehnt sich nach Nähe, Licht und Wärme
nur Freiheit bringt ihn zum Genesen
Geborgenheit der Menschenschwärme
die miteinander, Seite an Seite
getrennt und letztlich doch geborgen
einander stützend weiterfliegen
ins Unbekannte, ferne Weite
Feder an Feder, Heut und Morgen
sich stützend, doch sich nicht erstickend
ergänzend und die nur zum Spiel
wettstreiten, nicht besiegen, beflügeln
ist das große Ziel

Ein Stück von dieser Utopie
die ich in mir trag bis zum Ende
liegt in der Frühlingssynfonie
ich kann sie überall verspüren
es öffnen sich da alle Türen
in ahnungsvoller Fantasie

Zurück geh ich nun meine Schritte
stromauf – die Sonne zu meiner Linken
etwas beruhigter in der Mitte
den Rest des Tages auszutrinken.

21.3.12

Abschied von meiner Freundin Eva Brunner Szabo

Jänner 2012


Eva

Das was du bist ist intakt, unsterblich, einzigartig da
Das was du bist ist nicht krank, das was du bist ist mir nah
Unzerstörbar ist es du, jeder Atemzug, Gedanke, jedes Blitzen deiner Augen
Deine Skepsis, deine Schnippigkeit, dein lakonischer Witz
Welche Himmel können die uns vorenthalten

Niemals sehen wir dich fromm deine Hände falten
Oder sprachlos akzeptieren Dunkel und Gewalten jeglicher Provenienz
Dich besiegt der Tod nicht, denn du lebst außer Konkurrenz
Deine Vorstellung von Sein und Existenz

Bist ein Vogel aus dem Nichts, klein, unscheinbar
Faszinierend und verlockend wunderbar
Eine verwandte Seele, gut in vielen aufgehoben
Wollen deinen Tag noch vor dem Abend loben
Und dir unsere Liebe sagen

Wir, die wir dein Schicksal mit Dir tragen
Wir sind lebenslang von Dir bewohnt
Durch dein Dasein sind wir reich belohnt

Eva, auf dem Flohmarkt der Ewigkeit
Geht dein Film niemals verloren
Irgendeinmal wird er neu geboren
Eva, du gehst uns nicht verloren


Eva stirbt

Eva stirbt –  der Frühling geht ins Land
Was wollte er mir sagen dieser Leichenwagen
Von links nach rechts heute morgen
Jetzt halte ich deine kalte, matte Hand
Und höre dich letzte, spitze Seufzer sagen
Du bist schon jenseits aller Not und Plagen

Du gehst den letzten Weg als Kunstwerk aufgebahrt
Ich denk an deine Fotos in Großmutters Totenhemd
Gespenst aus Stroh und Wachs
Ein Lebensfunke von Erinnerung bewahrt
Dein schöner Kopf, fahl, schütterschwarz behaart
Und über ihm die Maske eines Dachs

Ein frecher Dachs warst du und wieselflink
Ohnmächtig eigenwillig, von blitzender Intelligenz
Sensibel und verletzlich, ein sarkastischer Spatz
Ich habe dich geliebt als Freundin Gegensatz
War ich ein Schmalztopf warst du ein Korn Salz
War ich ein Ausrufzeichen, warst du schlichter Punkt
Und keusch warst du, war ich ein Hahn in Balz

Deine Ergänzung brachte stets Erglänzung
Durch deinen tiefen Humor hats zwischen uns gefunkt
Du bist eine liebende Künstlerin
Ich hab nicht viele Freundinnen,
Eine warst du

Im Schöpfen waren wir uns nah verwandt
Du stirbst jetzt – und der Frühling geht ins Land
In meinem Herzen bleibst lebendig Du
Und keine Ruh!

P.S.: Und wieder einmal habe ich die richtigen Worte erst zu spät gefunden
Ich hoffe sehr du hast sie schon vorher empfunden

Es ist die Liebe

Es ist die Liebe, die uns wiederkehrt,
uns jeden Frühling neu beehrt
Das Wachsen bis zum Sterben – diese Dehnug
die uns vom Anfang bis zum Schluss verzehrt
und unbarmherzig jeden Trost verwehrt.
Gestattet mir noch die Erwähnung:
Wir lebten gar nicht wär sie uns verwehrt.


I bin a Monument aus Schmoiz


hoffantlich hoits!
I brauch Pfeffa und Soiz
I bin leicht zum eibrodn
daun kaunst in Schmoiz wodn
weu do schmüzt mei Stoiz

I bin a Monument aus Schmoiz
des is vielleicht net gaunz konform
und ziemlich sicha aus da Norm
Aus mia kaunst ka Reiterstaundbüd mochn
ka Denkmoi aufm Hödnplotz
nua schmoizige kitschige Sochn
weu i sunst umanaundapotz und zrinn
weu i a echta schmoizoff bin
So haum mi meine Ötan gmocht -
sentimental und woch und doch
waun i koit augwaht wia
wia i hoat, robust und kumm
a leicht in Foat

Des is ka Lercherl, gfruranes Schmoiz
waun i mit hoatm, gfruranan Schmoiz
üba de Gegner drüberwoiz
do bin i plötzlich nimma zoat
mit schaurig-schrecklichem Gramlboat
Oba, waun ma mia schene Augn mocht
und woam und freundlch kummt und locht
daun schmüz i weg
wia Schnee im Dreck
wia Schmoiz im Pfaundl
aum Gänglbandl der Gefühle
und sehne mich nach einer großen Kühle
noch Brod und Soiz
zu mein fadn Schmoiz

Eva – ave!

Abschiedsgedanken beim Glasorgelspiel

In der Zwischenwelt der Töne und des Lichts
Im Schweigen und den ungeweinten Tränen
Im Eismeer allen jubelnden Verzichts:
Der unsichtbare Schwan zwischen den Schwänen

Die Kunst des Alltags ist mit dir gefärbt
Im Morgenlicht begrüße ich deinen Strahl
Und wenn der Schmerz mich überwältigt
Stehst du vor mir schmal und unsentimental
Und lächelst.


Schwarzer Vogel Traurigkeit

Schwarzer Vogel Traurigkeit
fühle in meinem Blut deinen Flügelschlag
im Geäst der Nerven sträubst du dein Gefieder
färbst den Frühling mirzu dunklem Tag
lässt dich kalt in meinem Herzen nieder
wo es Tränen schneit

Schwer bist du, aus Blei, wild pickt dein Schnabel
unbarmherzig auf dieselbe Stelle
ich will aufstehen, doch es ziehen schwere Kabel
mich hinunter in dein Unbekanntes
Unüberwindlich scheint des Auswegs Schwelle
ewig unerreichbar alles Helle
es versklavt mich etwas Unbenanntes
und ich wäre doch so gerne frei

Flöge gerne mit dir in unvorstellbare Weiten
wie ein beflügelter Stein, ein Stern aus Schmerz und Glück
Ach, wie gerne würde ich dich begleiten
Doch der schwarze Vogel Traurigkeit – er muss
ein Freund sein – und von dir geschickt,
hält mich noch zurück

Nichts ist zu Ende

Nichts ist zu Ende solange der Lebensbaum blüht
solange die Sonne verglüht
nichts ist zu Ende, solange deine Hände
den Atem der Erde trinken
Nichts ist zu Ende solange die Blicke der anderen winken
durch den Schleier der Tage, durch die Nacht der Zeit
Nichts ist zu Ende solange die Gräber sich öffnen
und die Zukunft gebären.
Nichts ist zu Ende solange wir begehren

Grabrede

Eva, ich danke dir, dass ich dein Freund gewesen sein durfte.
Es gab eine Eva und es gab viele Evas. Einige habe ich davon gekannt, von ihnen will ich hier reden. Andere habe ich nur geahnt und gefühlt – Eva als leidenschaftliche Tante, Eva als Frau und Liebende, Eva als Tochter und Schwester, Eva als intime Freundin und tiefgründige Feministin...
Ich habe Eva als politischen Menschen erlebt, als femina politica. In der Sozialbewegung, im Kampf für Asyl- und Menschenrechte und vor allem für freie Meinung und für freie Radios.
In Wien und in Kärnten haben wir Piratenradios organisiert, Sendungen konzipiert und gestaltet, die Zensoren der Rundfunkbehörden an der Nase herumgeführt. Freie Radios konnten wir durchsetzen und auch sonst so manche positive Veränderung, - aber soviel bleibt noch zu tun!
Sie war eine treue Freundin, für mich ein Pfeiler der vielgenannten Zivilgesellschaft, nicht der operettenhaft aufgeblähten Chimäre derselben, die in Wahrheit nur Vorfeldorganisationen am Gängelband der Parteiblöcke ist, sondern jener in tausenden Assoziationen verwobenen, zusammengesetzt aus feinfühligen, autonom denkenden, engagierten Menschen, die sich in Bewegung setzen wenn soziale und politische Zustände und Entwicklungen unaushaltbar werden, wie beispielsweise damals 1993, mit dem Lichtermeer gegen das „Ausländervolksbegehren der Haider-FPÖ, ein Volksbegehren, das sich erstmals existenziell bedrohlich gegen Menschen richtete, oder zur Zeit der darauffolgenden schrecklichen faschistischen Briefbomben-Terroranschläge gegen Asylsuchende, MigrantInnen und Menschen fortschrittlicher, humanitärer Gesinnung, die in dem unvergesslichen ersten politischen Mord der zweiten Republik an den vier Roma-MitbürgerInnen und Mitmenschen in Oberwart, deinem Heimatort, gipfelte.
Eva war ein mutiger, engagierter Mensch und sie war da wenn man sie brauchte. Sie fehlt nicht nur als Mensch, sondern – und das hätte sie vielleicht aus Bescheidenheit nicht gerne gehört – als seltene ethische und politische Größe, als Teil eines utopischen Gegenentwurfes zu unserer krisenhaften, korrupten, immer menschenfeindlicheren und ungerechteren globalen Gesellschaftsordnung; sie fehlt schließlich als Künstlerin.
Sie fehlt wie Peter Kreisky, wie Dieter Schrage und mir persönlich noch viel mehr als diese, denn wir waren uns, bei aller Verschiedenheit der Charaktere und Temperamente vor allem in Belangen der künstlerischen Sensibilität und Kreativität sehr nahe. In einer Nähe, die ich nur mit wenigen so teilen konnte und kann und deren Echo sich in unserem gemeinsamen Film Kontinent: Alter über die Wirklichkeiten der mobilen Pflege älterer Menschen wieder findet.
Alain Badiou, der französische Philosoph sagt in seinem letzten Büchlein „Lob der Liebe“ einen treffenden Satz: Die Liebe ist aber wie jedes Wahrheitsverfahren wesentlich uneigennützig. Ich habe das Gefühl im Sinne dieser Interpretation von Liebe waren wir alle hier in deiner Liebe eingeschlossen. Und wir können, bei aller Trauer und bei allem Schmerz auch jetzt noch etwas für dich tun.
Ich als Agnostiker glaube daran, dass geliebte Menschen in einem weiterleben, dass wir uns bemühen können sie und ihre Essenz in uns lebendig zu halten. Das wird bei dir, Eva, schwierig sein, denn du warst bei aller Menschlichkeit und Freundlichkeit ein sehr anspruchsvoller und kritischer Geist – nicht nur gegenüber der Banalität des Bösen, wie sie Hannah Arendt beschreibt, sondern auch gegenüber der „Banalität des Guten“ und vermeintlich Guten. Die Latte für uns liegt also hoch. Aber, Eva, wir werden es versuchen.



3.1.12

wieder ein paar gedichte


Das positive Trojanische Pferd
Idee für ein Kindertheaterstück über die „Altenpflege“ in Gedichtform

Das ist ein sonderbares Gefährt
Das halb fliegt und halb fährt. Leicht wie ein Luftballon
Ein Kind kann es ziehen und groß ist es, so groß wie ganz Wien
Und selbst wenn der Wind geht fliegt es nicht davon
Es passt in jede Wohnung hinein, was heißt Wohnung, in jeden Kopf
 Steht ganz lieb vor der Tür , macht diskret Klopf, Klopf, Klopf
Wiehert leise, grinst breit mit seinem Pferdegebiss
Schon ist ihm ein „Tritt ein“ und ein Lächeln gewiss.
Dann stehts mitten im Zimmer, wie ein Hund an der Leine
Des Pflegehelfers und der pflegt jetzt nie mehr alleine,
Denn immer ist nun auch das Pferd mit dabei
Daher sind sie von nun an immer drei
Der Pfleger das positive Trojanische Pferd und der Patient
Im Gaul stecken viele, die der Patient noch nicht kennt
Wenn der er Pfleger geht, bleibt das Pferd beim Patienten zu Haus
Und Nachts, wenn dem Patienten fad ist kommen alle heraus:
Ein Cowboy, ein Rapper, der fährt mit Geschepper mit dem
Skateboard übers Krankenbett-Gitter, dann kommt noch ein Clown raus,
Ein Ritter, ein Zwitter, die bauen sich am Nachtkastel ein lustiges Baumhaus
Gegen Sommergewitter. Aber wer glaubt dass das alles war,
Der irrt sich gewaltig, im Pferdebauch rumort es vielgestaltig
Ein Liebespaar promeniert innig umschlungen, ein Bänkelsänger
Hat sich heiser gesungen, ein zufriedener Banker erntet Gestänker,
 Ein Trompeter, ein Geiger, ein zaubernder Schweiger gar
Eine Elfe mit Sternschnuppenhaar, eine Triangel, die mit feinen Glöckchen spielt
Ein Liebesengel der auf „Herzengel“ zielt, ein Geschichtenerzähler, der zuhören muss,
Ein Tröster, ein Kerzelschlucker, ein entlaufener Kuss, ein Dichter, ein Zwetschkenröster, ein Niemalsducker, ein Detektiv, ein Kalif ein, Echo das niemand rief,
Das alles macht unser Pferd so positiv und liebenswert
Und ganz zum Schluss noch, aus dem Hier und Heut
Entsteigt dem Pferdebauch ein Gestalttherapeut mit runden Brillen und langem Bart:
Gestatten, mein Name ist Eigenart, ich bin ein Freund vom Krankenpfleger,
Vom Flausenleger und vom Schorfsteinfeger, kein Hosen, sondern ein Seelenträger
Wenn sie runterrutscht hol ich elastisch, sie gleich wieder hoch,
Das geht ganz fantastisch. Ich komme mit dieser bunten Schar
Zu Ihnen auf Besuch, wo ich noch niemals war, les ihnen vor ein Buch
Ist ihnen fade, servieren wir KasperliadeLimonadeMarmelade und eine poetische Bigrafie
schreiben ein Gedicht und machen die Schublade der Kindheit auf und kitzeln sie im Bade.
Nicht lachen, Lachen ist verboten, im Reich der Kranken, Siechen und Toten, lacht man nie
Nein, eh nicht, war nur ein kleiner Scherz, ein bisschen Aufregung ist ganz gut für`s Herz.
Nein der Hafer hat uns nicht gestochen, sind freiwillig aus dem Pferd gekrochen um ihre Gesundung zu unterstützen – auch wenn uns bisher noch keiner kennt, ich hoffe sehr es wird ihnen nützen.  Wir tun das gerne und kompetent- wir sind pflegeleicht, leben bewusst Diätetisch und sind auch sonst ganz bioethisch, um nicht zu sagen biopsychosozial
trinken Wasser leben brav und normal,  fressen nur ein wenig Soja und Bohnen
–, wir sind das positive Pferd aus Troja und werden nun bei Ihnen wohnen.
Freuen Sie sich schon? Heh, warum laufen Sie davon!



Daheim bin ich dort

Daheim bin ich dort wo ich liebe
Wo ich, wenn man mich vertreibt
Gerne bliebe
Wo mir vor Schmerz beinahe das Herz
Stehen bliebe
Wenn man mich von dem Ort
dort vertriebe
Daheim bin ich dort wo die Triebe…

Bei mir bin
Ich nur bei Dir
Und ich leide
wie ein Tier
ist geschlossen
deine Tür.


18. November 2011

Dichter und Kalafati

Der Dichter liebt aus sich heraus
Er lebt in seinem Schneckenhaus
Aus seinem Dichterschneckenhaus
Liebt er die ganze Welt
Er liebt nicht Dich, er liebt nicht Dich
Er liebt Punkt, Komma, Bindestrich
Anführungs- und Rufzeichen
Strich – Doppelpunkt, etcetera
Und manchmal auch die Klammern
Er liebt geheime Kammern
Er ist ein Wortentketterer
Haucht Leben ein in Leichen
Anstatt sie zu bejammern
Er liebt was ihm gefällt
Und ihn am Leben hält

Der Dichter liebt aus sich heraus
Ihm ist selbst eine graue Maus
Prinzessin, Elfe, Zauberfee
Der Dichter liebt sein eigenes Weh
Macht sich ein Paradies daraus
Von Bildern und Ideen
Von Tränen und Chimären
Er will durchdringen und verstehen
Alles vom Kopf bis zu den Zehen
Sein Leben ist Begehren
Und sich danach sein Leben lang
Von Anfang bis zum Untergang
Vor Liebe sich verzehren

Der Dichter ist ein armes Schwein
Doch das macht ihm rein gar nichts aus
Er liebt sein Leben lang alleine
Im Grunde nur aus sich heraus
Doch lässt er vorher alles ein
In den Palast – sein Dichterhaus

Der Dichter ist ein Alchimist
Und ein Fantast
Macht Gesternpech zu Zukunftsgold
Und Gleichmut zu Verlangen
Aus Alltag macht er Tag im All
Zu Lust macht er die Last
Zum kühnen Flug macht er den Fall
Macht, Schicksal, selbst jüngstes Gericht
Fürchtet die Dichterliebe nicht
Stellt ihr ihn auch am Pranger aus
Der Dichter liebt aus sich heraus
Noch unter Folterzangen
Schreibt er noch ein Gedicht
An Greti und an Pleti
Den Jeti und an Kathi
Und selbst am grauenvollsten Ort
Nimmt man ihm seine Seele fort
Wäre sein allerletztes Wort:
Der Dichter ist ein Kalafati –
Amor fati.


23. November 2011

Gedichtbild

Der erste Raureif liegt auf den Hügeln
Der Wald steht im Nebel mit weißen Flügeln
Wie eine Wolke, auf der Erde gestrandet
Gegen die das graue Himmelsmeer brandet
Der erste Raureif im jungen Winter
Du spürst schon Eis, Nacht und Kälte dahinter
Niemand kann sagen was Morgen ist
Das Hier und Jetzt ist unsere Gnadenfrist.

Kreisler hat uns verlassen…

Kreisler war kein Greissler
Und kein Krämer
Er war ein Geissler der Verhältnisse,
Ein Unbequemer
Kritiker herrschender Unkultur
Er spurte stets neben der Spur

Er war kein Wetterhahn
Er war ein Hahn aus Fleisch und Blut
Sein Kikeriki
War manchmal eitel,
Aber billig nie
Und nicht anbiedernd
War sein Übermut
Scharf wie ein Taschenfeitel

Echt war die Wut und er
Im Unterschied zu anderen,
war kein Staatskünstler
Er war kein „Onliner“
Er war ein „Ohne Leiner“
Ein ganz famoser Maulkorbloser
und kein Schleimer-Reimer
Für die Galerie der Macht, die
auch mal gerne lacht
Wenn über sie wer harmlos
Witzchen macht.
Seine fürchteten sie.

Er war kein Facebooker
Er hatte ein Gesicht
Und auch ein „Gschichteldrucker“
Für Seitenblicke-Gucker
War er nicht

Was war er eigentlich?
Ein Grenzgänger gegen den Strich
Er ging nie auf ihm, er war nicht in
und er war auch nicht cool
er war ein Jude, „Bourgoisanarchist“
Ausländerin und schwul
War penetrant und arrogant und genial
Und wenn er sang brannte er lichterloh
Wie ein Fanal gegen die Mordsdummheit
In unserem Jammertal, wenn er trompetete
Stürzten die Mauern ein um Jericho
Auf Erden wurde es ihm zu dumm,
hat selbst sich abgeschoben
Fühlt oben, ohne Publikum,
sich besser aufgehoben
Verständlich, denn wo er jetzt ist
Ist er nicht mehr alleine
Arbeitet dort als Librettist
Für Tucholsky, Brecht und Heine

Zum Abschied sagte er uns schlicht:
Welt, Leut, es ist vollbracht
Dann schrieb er schnell noch ein Gedicht
Wie blöd die Sonne lacht
Jetzt tanzt er mit den alten Tanten
Mit seinen Freunden und Bekannten
Den ewigen Tango in der Nacht
Lächelt blasiert herunter:

„Macht euch jetzt selber munter!“
Entwickelt selber Fantasie
Ihr Untertanenherdenvieh
Finanzkrise und Schuldenbremse
Und globalisierte Flach-Lachindustrie
Rutscht mir den Buckel runter!


27. November 2011

Vickal Hiasch

Trauriga,
schmoipickta Bua
mit de großn Augn
S`Gegenteil von mia
Jetzt hean da plötzlich olle zua
Jetzt wosd ogstuabn bist
Stehst in da Bliah
Und se kennan dia des Moach
Aus de Bana saugn

Hiasch,
jetzt hängans dei Gweih
in de Wiatsheisa
nebn de Damenheisltia
und spüln di auffe und oba
im ORF, Ö-ans und Ö-drei

Trauriga Bua
Jetzt host ausgspült
In da Saundkistn
Der kollektiven Verdrängung
Jetzt wird da ollas vaziehn
Und vagebn
Jetzt wirst zum Pavarotti
Der Kretins der Beengung
Und kriagst a Eahngrob
am Zenträu
und olle lossn di hoch leben!

Oisa Doda mochns in Heinz Conrads
Ausm Georg Danza
Und aus dir in Mario Lanza
Fir de Meschuggenen
Und Ollas is eich auf amoi vaziehn!

De Omama min Hitlerbüdl
Da Kindaschändapapa von da
Nochbarstiagn –
Oba in Wirklichkeit
Kennans di net kriagn
Wäu im Gegnsotz zu dia
Kennan de net fliagn

Trauriga, schmoipckta Bua
Hiasch mitn traurign Gweih
Fliagst durchn Woiknwoid
Stoiz, schee und frei
 und nix, nix is vuabei!


28. November 2011

Alt sein

Alt sein, keine Angst mehr haben
Etwas zu versäumen
Gut zu Hause sein in seinen Träumen
Offen halten Türen und Fenster

Und die Ernte seines Lebens teilen
Mit den anderen und dem Wind
An den Tisch einladen die Gespenster -
Enttäuschungen, Kränkungen, Ängste, Verluste…-
Mit ihnen ehrlich reden über das Verdrängte, Unbewusste
Wie ein altes, weises Kind

Alt sein heißt: Noch immer alles Leben,
Aushalten die Endlichkeit, das Jetzt genießen,
Dass uns die Sonne lacht, dass Blumen sprießen
Alt sein heißt wissend verzeihen und vergeben
Und fast ohne Bitterkeit mit unserer Welt
Zum Meer der Ewigkeit zu fließen
Abschiedlich leben
Alt sein, heißt immer mehr abgetrieben
Vom Quell zur Mündung hin dem Strom sich überlassen
Alt sein, heißt nach den Sternen wie in Erde fassen
Noch immer leben, noch immer lieben
Ziel – unerreicht, im großen Ungefähr
Alt sein ist leicht, ist man noch jung geblieben…
Aber alt werden…

Alt werden ist schwer!